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Erschossener Neonazi-Führer: Zwölfjähriger wegen Mordes an Vater verurteilt

Joseph Hall erschoss einen der führenden Neonazis der USA - seinen Vater Jeff. Ein Gericht in Kalifornien hat den Zwölfjährigen nun wegen Mordes verurteilt. Die Verteidigung hatte die Tat zugegeben und gefordert, den jungen Angeklagten nicht strafrechtlich dafür zu belangen.

Toter US-Neonazi: Wie Joseph Hall seinen Vater erschoss Fotos
AP

Riverside - Ein Zwölfjähriger in Kalifornien ist des Mordes an seinem Vater für schuldig befunden worden. Joseph Hall könnte nun bis zu seinem 23. Lebensjahr in Haft kommen. Hall hatte die Tat begangen, als er zehn Jahre alt war. Die Anklage hatte argumentiert, der Junge habe gewusst, was er tat, die Tötung sei vorsätzlich begangen worden.

Die Verteidigung hatte zugegeben, dass Joseph seinen Vater erschoss, als dieser schlief - und gefordert, den Jungen strafrechtlich nicht für die Tat verantwortlich zu machen. Der Verteidigung zufolge wuchs der Junge in einem gewalttätigen, rechtsradikalen Umfeld auf. Er habe nicht gelernt, Recht von Unrecht zu unterscheiden; ihm sei beigebracht worden, es sei akzeptabel, Leute umzubringen, die eine Gefahr darstellen. Er habe geglaubt, die Gewalt höre auf, wenn er seinen Vater erschieße.

Joseph Hall selbst hatte sich nicht zur Tat geäußert. Sein Vater Jeff war "Sergeant und Regionaldirektor" des National Socialist Movement (NSM), eine der größten Neonazi-Bewegungen der USA. Im Haus der Familie Hall fanden Treffen der Gruppierung statt.

Hardy sagte, sein Mandant habe den Vater getötet, um jahrelange körperliche Misshandlungen zu beenden. Ein Psychologe hatte als Zeuge der Verteidigung ausgesagt, Joseph Hall sei jahrelang durch körperliche, emotionale und sexuelle Misshandlung zur Gewalttätigkeit erzogen worden.

Staatsanwalt Michael Soccio war in seinem Schlussplädoyer anderer Ansicht: Jeff Hall sei trotz seiner Neonazi-Verbindungen ein liebevoller Vater gewesen. Die Misshandlungsvorwürfe seien ein Trick der Verteidigung. Hall habe seinen Vater erschossen, weil dieser sich von Josephs Stiefmutter habe trennen wollen. Der Junge habe zu der Frau ein enges Verhältnis gehabt.

Laut der Kriminologin Kathleen Heide wurden in den USA in den vergangenen 32 Jahren etwa 8000 Menschen von ihren Kindern getötet. In 16 Fällen waren die Täter zehn Jahre oder jünger.

ulz/AP/Reuters

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