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11. September 2018, 18:47 Uhr

Vatikan

Erzbischof nennt Missbrauchsskandale 9/11 der Kirche

Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind laut Erzbischof Georg Gänswein ein "eigenes 9/11". Vergleichbar seien die Geschehnisse jedoch nicht.

Am 17. Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center und das Pentagon bezeichnete der katholische Erzbischof Georg Gänswein die sexuellem Missbrauchsfälle als 11. September der katholischen Kirche. Der Erzbischof, Präfekt und Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI thematisierte den Missbrauchsskandal bei der Vorstellung des Buchs von Rod Dreher "Die Benedikt -Option - Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft".

Der US-Autor war wegen ans Licht gekommener Missbrauchsfälle 2006 von der katholischen zur orthodoxen Kirche gewechselt. In seiner Rede bezog sich Gänswein nun auf das heutige Datum und sagte, dass "auch die katholische Kirche voller Entsetzen auf ein eigenes 'Nine/Eleven' schauen muss, auch wenn diese Katastrophe leider nicht nur mit einem Datum, sondern mit vielen Tagen und Jahreszahlen und mit zahllosen Opfern verbunden ist." Er wolle die Opfer von Missbrauch der katholischen Kirche jedoch nicht mit den fast 3.000 "unschuldigen Menschen" vergleichen, die beim Terroranschlag 2001 starben.

"Die Nachrichten, die uns in letzter Zeit aus Amerika darüber Auskunft erteilen, wie viele Seelen von Priestern der katholischen Kirche unheilbar und tödlich verletzt worden sind, vermitteln eine schlimmere Botschaft, als seien alle Kirchen Pennsylvanias auf einmal eingestürzt", sagte Gänswein weiter.

Im August zeigte ein Abschlussbericht der Grand Jury in Pennsylvania, dass mindestens tausend Kinder in dem US-amerikanischen Bundesstaat mutmaßlich von mehr als 300 katholischen Priestern sexuell missbraucht und vergewaltigt wurden. Seit Jahrzehnten werden immer wieder weltweit Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufgedeckt.

mal/AP

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