Brand in "Escape-Room" Jugendliche starben, weil Türklinke versteckt war

Nach dem Tod von fünf Mädchen in einem polnischen "Escape Room" hat die Staatsanwaltschaft weitere Details des Unglücks bekannt gegeben: Die Opfer konnten nicht fliehen, denn die Türklinke des Zimmers war abmontiert.

Der Verdächtige im Amtsgericht von Koszalin, Polen
MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Der Verdächtige im Amtsgericht von Koszalin, Polen


Die Todesopfer der Brandkatastrophe in einem "Escape-Room" in Polen hatten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft keine Chance, den Flammen zu entkommen.

Die Türklinke an der Innenseite des Raums sei abmontiert und versteckt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Koszalin, Ryszard Gasiorowski, an diesem Mittwoch. Sie zu finden, war demnach Teil des "Escape-Spiels", bei dem Teilnehmer unter Zeitdruck Aufgaben lösen müssen, um sich aus einem geschlossenen Raum zu befreien. Für fünf 15-jährige Mädchen im nordpolnischen Koszalin wurde das Spiel zur tödlichen Falle, als am vergangenen Freitag ein Feuer ausbrach.

Die Jugendlichen, die einen Geburtstag feierten, hatten keine Chance, sich aus dem geschlossenen Raum selbst zu befreien, sagte Gasiorowski. Auch von außen verhinderten die Flammen ihre Rettung. Der Brand schnitt einem Mitarbeiter des "Escape-Rooms" den Weg zu den Mädchen ab. Der 25-jährige Pole, der selbst Verbrennungen erlitt, rannte auf die Straße, um Hilfe zu holen. Für die Mädchen, die nach vorläufigen Erkenntnissen an einer Rauchgasvergiftung starben, kam sie zu spät. Sie werden am Donnerstag beerdigt.

"Einen anderen Fluchtweg als die Tür gab es nicht", sagte Gasiorowski. Die Fenster waren den Angaben nach mit Rigips versperrt. Der 28-jährige Besitzer des "Escape-Raums" ist in U-Haft, ihm drohen wegen Sicherheitsverstößen und fahrlässiger Tötung bis zu acht Jahren Haft.

Video: Fünf Jugendliche in Polen gestorben

MARCIN BIELECKI/EPA-EFE/REX

Der Mann sei nach den Ereignissen traumatisiert, berichteten polnische Medien. Er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus, zu den Vorwürfen wollte er sich vor Gericht zunächst nicht äußern. Grund sei seine schlechte psychische Verfassung, wie sein Verteidiger dem Sender TVN24 sagte.

Viele Menschen des etwa 100.000-Einwohner-Orts Koszalin sind von der Tragödie erschüttert. Die Mitschüler der Jugendlichen werden nach Angaben der Schule psychologisch betreut.

hej/dpa

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