Zwölf Verhaftungen nach Messerattacke Ermittler gehen von versuchtem "Ehrenmord" aus

Die Polizei durchsuchte Wohnungen, zwölf Menschen sitzen in U-Haft: Sie sollen hinter dem versuchten Mord an einem 19-jährigen Syrer in Essen stecken - offenbar weil dieser eine Beziehung zu einer verheirateten Frau hatte.

Polizeifahrzeug am Einsatzort
DPA

Polizeifahrzeug am Einsatzort


In Essen und anderen Städten rückten Spezialeinsatzkräfte aus, um nach einer Messerattacke auf einen 19-jährigen Syrer Verdächtige festzunehmen. Nach der Razzia hat die Polizei nun Hintergründe des Zugriffs bekannt gegeben: Die Beamten vermuten, der junge Mann sei Opfer eines versuchten sogenannten Ehrenmords geworden.

Hinter dem brutalen Angriff Ende Mai steht einem Polizeisprecher zufolge die Liebesbeziehung des Opfers mit einer verheirateten Frau. "Ein Handyfoto, das beide als Paar zeigt und das gepostet wurde, geriet in Umlauf", sagte er. Dabei sei die Frau "nach islamischem Recht bereits verheiratet" gewesen. Die Ermittler stellten auch eine Art "Kaufvertrag" über die Frau sicher. Ob sie zwangsverheiratet wurde, steht bislang jedoch nicht fest.

Die insgesamt zwölf Beschuldigten gehörten dem Sprecher zufolge zur syrischen Großfamilie der Frau oder zumindest zu deren Bekanntenkreis. Die meisten von ihnen seien 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, gegen alle wurde nun Untersuchungshaft angeordnet. Sie sind zwischen 22 und 46 Jahre alt.

Niedere Beweggründe vorgeworfen

Gemeinschaftlich sollen sie den jungen Mann mit Holzlatten und einem Messer auf dem Hinterhof eines Getränkemarkts in Essen traktiert haben. Den zehn Männern und zwei Frauen - darunter auch der Ehemann und die Eltern der jungen Frau - wird allesamt versuchter Mord aus niederen Beweggründen vorgeworfen.

"Sie ließen ihn blutüberströmt liegen", sagte der Polizeisprecher unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. "Die Täter skalpierten ihn fast." Durch eine Notoperation konnte der Teenager gerettet werden, drei der mutmaßlichen Täter wurden kurz darauf gefasst.

Anschließend gestalteten sich die Ermittlungen der Polizei jedoch schwierig. "Niemand wollte mit uns reden", sagte der Polizeisprecher. Erst als sich das Angriffsopfer erholt hatte und aussagen konnte, seien die Polizisten den anderen Familienmitgliedern auf die Spur gekommen. Die Razzien fanden unter anderem in den nordrhein-westfälischen Städten Essen und Viersen sowie in Sachsen-Anhalt statt.

apr



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.