Statt Zwillingen nur ein Kind Türkin wird nach Fehldiagnose entschädigt

Sie sollte Zwillinge bekommen, hatten die Ärzte ihr gesagt. Eine Türkin brachte dann aber nur ein Kind zur Welt und forderte Entschädigung. Die soll sie nun bekommen - aber nicht nur wegen der Fehldiagnose.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
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Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte


Einer Türkin, die nach einer falsch diagnostizierten Zwillingsschwangerschaft nur ein Kind zur Welt brachte, und ihrer Familie steht Entschädigung zu. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entschieden. Die Türkei muss der Frau, ihrem Mann und ihren Kindern nun insgesamt 5000 Euro zahlen. Die Begründung richtet sich allerdings nicht nur auf die falsche Einschätzung der Ärzte.

Die Aufklärung des Falles habe zu lange gedauert, urteilten die Richter. Damit sei auf prozessualer Ebene das Recht der Frau auf Achtung des Familienlebens verletzt worden.

Bei der Klägerin hatte man im Jahr 1997 in drei verschiedenen türkischen Krankenhäusern eine Schwangerschaft mit Zwillingen festgestellt. Bei der Kaiserschnittgeburt am 8. November 1997 kam jedoch nur ein Kind zur Welt. Die Frau verklagte das Personal der Geburtsklinik daraufhin wegen angeblicher Entführung des zweiten Kindes. Das Strafverfahren wurde jedoch eingestellt.

Erst 2010 bekam die Frau über den Weg des Verwaltungsrechts eine Entschädigung von 2575 Euro zugesprochen - wegen der Diagnosefehler, die das Klinikpersonal unter anderem mit dem Übergewicht der Frau erklärte. Es habe niemals ein zweites Baby gegeben. Es handele sich um einen Diagnosefehler, wie er häufiger vorkomme, urteilten die Richter. Die Klägerin wollte sich damit nicht abfinden und prozessierte weiter.

Auch das Straßburger Gericht hielt nun den Verdacht einer Kindesentführung für ungerechtfertigt. Die Richter betonten aber, dass die Verfahrensdauer von fast zwölf Jahren nicht angemessen sei. Gerade bei möglichen Behandlungsfehlern sei eine schnelle Aufklärung wichtig für die Sicherheit der Patienten.

fok/dpa



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