Ex-Bayern-Profi Steuerberater müssen Luca Toni 1,25 Millionen zahlen

Über Jahre lag Luca Toni mit seinen Steuerberatern im Clinch. Es ging um Kirchensteuern, die der Ex-Bayernprofi nicht zahlen wollte. Jetzt gab ihm ein Gericht recht - zum großen Teil.

Ex-Bayern-Star Toni: Erfolg vor Gericht
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Ex-Bayern-Star Toni: Erfolg vor Gericht


Der frühere Bayern-Star Luca Toni bekommt von seinen Steuerberatern Kirchensteuer in Millionenhöhe erstattet. In zweiter Instanz entschied das Oberlandesgericht München (OLG), die Berater müssten knapp 1,25 Millionen Euro an Toni bezahlen. Das sind etwa drei Viertel der Steuerschuld in Höhe von knapp 1,7 Millionen Euro. Auf etwa 450.000 Euro bleibt der Italiener sitzen. Eine Revision gegen das Urteil ließ das OLG nicht zu.

Toni spielte von 2007 bis 2010 in München. Er behauptet, er wäre aus der Kirche ausgetreten, wenn man ihn damals ausreichend über die steuerlichen Folgen in Deutschland aufgeklärt hätte. Der 38-Jährige reichte Klage gegen seine Steuerberater ein.

In der ersten Instanz vor dem Landgericht München bekam er bereits überwiegend Recht. Daraufhin gingen die Unterlegenen in Berufung. Ein außergerichtlicher Vergleich scheiterte.

In der Gesamtsumme von knapp 1,7 Millionen Euro sind auch Säumniszuschläge enthalten. Die Kosten für den Rechtsstreit müssen sich beide Parteien teilen - Toni soll gut ein Viertel davon bezahlen, die Steuerberater knapp drei Viertel.

Die Summe der Gerichtskosten konnte eine OLG-Sprecherin auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht beziffern. Die Urteilsbegründung umfasse 46 Seiten und solle zunächst den Parteien zugehen.

sms/dpa



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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
at.engel 23.12.2015
1. FC Bayern tritt geschlossen aus der Kirche aus...
Nach so einem Urteil wird der FC Bayern wahrscheinlich seinen Spielern dazu raten, geschlossen aus der Kirche auszutreten. Wenn jetzt Steuerberater grundsätzlich ihren Kunden raten müssen, aus der Kirche auszutreten, dürfte das eng werden, für Deutschlands Kirchen...
Sibylle1969 23.12.2015
2. Kirchensteuer
Die Kirchensteuer ist für Ausländer in Deutschland oft ein überraschendes Ärgernis, da es vergleichbares in anderen Ländern oft nicht gibt. Ich kenne eine in Deutschland lebende Französin, die sich sich selbst als gläubige Katholikin bezeichnet, die aber kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland aus der Kirche ausgetreten ist, weil sie keine Kirchensteuer zahlen wollte. Davon mal abgesehen, halte ich die Kirchensteuer für einen gewaltigen Anachronismus. Es wird Zeit, dass Deutschland endlich zu einem vollständig säkularen Staat wird.
Meon123 23.12.2015
3. Steuerbetrug des FC Bayern/ Ach, dieser interessante Prozess
Kommentar 1./Satz 1. trifft es ganz gut. Da im Fußball in der Regel (wie in diesem Fall) Nettovergütungen vereinbart werden, müsste der FC Bayern das tatsächlich machen. Stattdessen wurde Luca Toni bei der Angabe seiner Daten von einer Sekretärin des FCB "beraten" und so war er kein Kirchenmitglied. Da sparte der FCB dann 1,5 Mio. Seine Steuerberater machten bei der Steuererklärung dann wahre Angaben und so kam noch eine Nachforderung. Da war er allerdings schon nicht mehr in München und hatte einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. So konnte er das nicht mehr da zurückfordern, sondern musste seine Steuerberater verklagen. Und da waren wir nun. Unterm Strich ist der FC Bayern München recht gut aus der Sache gekommen... Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-gegen-luca-toni-wie-sich-der-fc-bayern-millionen-euro-sparte-1.2410166
catcargerry 23.12.2015
4. Begründung abwarten
Zitat von at.engelNach so einem Urteil wird der FC Bayern wahrscheinlich seinen Spielern dazu raten, geschlossen aus der Kirche auszutreten. Wenn jetzt Steuerberater grundsätzlich ihren Kunden raten müssen, aus der Kirche auszutreten, dürfte das eng werden, für Deutschlands Kirchen...
Diese Hoffnung ist ziemlicher Quatsch. Kein Berater muss jemandem raten, aus der Kirche auszutreten. Ein Steuerberater muss aber auf die Kirchensteuer, ihre Höhe und ihre Systematik hinweisen, gerade wenn dem Mandanten das hiesige Rechtssystem nicht geläufig ist. Den Aufschrei, der StB müsse dem Mandanten zum Kirchenaustritt raten gab es schon einmal. Das damalige Urteil hat aber nur festgestellt, dass der Berater bei seinen Berechnungen die Kirchensteuer vergessen und dem Mandanten so eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für einen eventuellen Austritt vorenthalten hat.
Justitia 23.12.2015
5.
Zitat von at.engelNach so einem Urteil wird der FC Bayern wahrscheinlich seinen Spielern dazu raten, geschlossen aus der Kirche auszutreten. Wenn jetzt Steuerberater grundsätzlich ihren Kunden raten müssen, aus der Kirche auszutreten, dürfte das eng werden, für Deutschlands Kirchen...
Ein solcher Ratschlag hätte doch nichts mit dem Urteil zu tun. Dass ein Spieler mit Wohnsitz in Deutschland und als Mitglied der kath. Kirche hier Kirchensteuer zahlen muss, stand doch gar nicht zur Diskussion. Es ging nur darum, ob die Steuerberater einen Beratungsfehler begangen haben, durch den sie dann schadensersatzpflichtig werden, wenn sie den ausländischen Spieler nicht explizit darauf aufmerksam machen, dass die Kirchensteuer durch Austritt aus der Kirche vermeidbar ist. Aber sonst haben Sie recht, wer in den Grössenordnungen eines Top-Spielers verdient und Millionenbeträge an Kirchensteuer zahlen muss, wird sich wohl sehr schnell für einen Kirchenaustritt entscheiden. Es ist nicht plausibel, dass die Kirche derart an einem Einkommen partizipiert.
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