Ex-Krankenpfleger Zahl der möglichen Mordopfer von Niels H. auf 24 gestiegen

Der Ex-Krankenpfleger Niels H. spritzte Patienten eigenhändig Medikamente. Etliche Menschen starben auf diese Weise. Jetzt sind weitere mögliche Mordopfer entdeckt worden.

Niels H. vor Gericht (Archiv)
DPA

Niels H. vor Gericht (Archiv)


Die Zahl der möglichen Mordopfer des verurteilten Ex-Pflegers Niels H. ist auf 24 gestiegen. Nach der Exhumierung von drei verstorbenen Patienten konnten die Ermittler Rückstände eines Herzmedikaments nachweisen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg sagte.

Das Mittel hatte der Krankenpfleger Niels H. Schwerkranken auf der Intensivstation des Klinikums in Delmenhorst gespritzt und dadurch zum Teil tödliche Komplikationen ausgelöst. Wegen fünf Taten sitzt der Ex-Pfleger bereits lebenslang in Haft. Vor Gericht hatte er aber gestanden, für den Tod von bis zu 30 Menschen verantwortlich zu sein.

Seit Bekanntwerden der Dimensionen des Falls prüft die Sonderkommission "Kardio" alle Sterbefälle während der Dienstzeit von Niels H. in verschiedenen Einrichtungen.

Mitte Juni könnten die Ergebnisse der Exhumierung vorliegen

Dabei durchforsten die Ermittler alte Krankenakten nach möglichen Hinweisen und exhumieren alle nicht feuerbestatteten verstorbenen Patienten aus den fraglichen Zeiträumen. Es soll um mehr als 200 Fälle gehen. Bis Ende Mai will die Polizei die Exhumierung der möglichen Opfer am Klinikum Delmenhorst beenden, Mitte Juni könnten dann alle Ergebnisse feststehen. Danach wollen die Ermittler die Öffentlichkeit detailliert über ihre Erkenntnisse informieren.

Die Motive hinter der Verbrechensserie des früheren Krankenpflegers sind bislang unklar. Die Richter des Oldenburger Landgerichts kamen zu der Einschätzung, dass H. durch Wiederbelebungen vor Kollegen "glänzen" und sich einen "Kick" verschaffen wollte. Sie sprachen von Taten, in denen eine beängstigende "Unmenschlichkeit" zum Ausdruck komme.

Wegen der erst spät eingeleiteten systematischen Nachforschungen in dem Fall gerieten auch die Ermittlungsbehörden in die Kritik. Ein früher zuständiger Staatsanwaltschaft wurde zwischenzeitlich unter anderem wegen Strafvereitlung angeklagt. Gerichte lehnten einen Prozess aber mangels ausreichenden Tatverdachts ab.

msc/dpa/AFP



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