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Ex-Todeskandidatin Debra Milke: Richterin lehnt Einstellung des Verfahrens ab

Ex-Todeskandidatin Milke (im August 2013): Warten auf endgültige Freiheit Zur Großansicht
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Ex-Todeskandidatin Milke (im August 2013): Warten auf endgültige Freiheit

Die ehemalige Todeskandidatin Debra Milke muss weiterhin auf ihre endgültige Freiheit warten. Vor Gericht scheiterten die Anwälte der 49-Jährigen mit dem Antrag, das Verfahren einzustellen. Dabei muss die Anklage inzwischen ohne den wichtigsten Zeugen auskommen.

Phoenix - Die Entscheidung über die endgültige Freiheit der Ex-Todekandidatin Debra Milke lässt auf sich warten: Die zuständige Richterin wies am Mittwoch in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona den Antrag der Verteidigung zurück, das Verfahren gegen die 49-Jährige einzustellen.

Die Anwälte der in Berlin geborenen Milke argumentierten, eine Neuauflage des Prozesses verstoße gegen die US-Verfassung: Niemand dürfe demnach zweimal für dasselbe Verbrechen vor Gericht gestellt werden - die Richterin sah das anders.

Milke, Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners, war 1990 zum Tode verurteilt worden, weil sie ein Jahr zuvor zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn angestiftet haben soll. Sie beteuerte stets ihre Unschuld. Die beiden verurteilten Mörder des Jungen sitzen in der Todeszelle und verweigern jegliche Aussage.

Neues Verfahren ohne Hauptbelastungszeuge

Das Urteil gegen Milke stützte sich vor allem auf die Aussage des leitenden Ermittlers Armando Saldate, dem Milke ihre Beteiligung an dem Verbrechen angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder weitere Zeugen. Die damaligen Geschworenen erfuhren auch nicht, dass Saldate bereits wegen Falschaussage unter Eid aufgefallen war.

Ein Bundesberufungsgericht kippte im März schließlich das umstrittene Todesurteil. Milke wurde Anfang September nach rund 24 Jahren Haft - davon 22 Jahre in der Todeszelle - vorläufig entlassen. Zurzeit ist sie auf Kaution und mit einigen Einschränkungen in Freiheit.

Die Staatsanwaltschaft hat jedoch im Dezember zum zweiten Mal Anklage erhoben und angekündigt, wieder die Todesstrafe zu fordern. Allerdings wird Hauptbelastungszeuge Saldate dieses Mal nicht in den Zeugenstand treten, nachdem Richterin Rosa Mroz ihm erlaubt hatte, sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zu berufen. Kommt es erneut zu einem Verfahren, würde es frühestens 2015 beginnen.

mxw/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Evakuierung
Malshandir 23.01.2014
Also hier könnte auch die deutsche Botschaft einmal zeigen, wie man es macht und die Dame einfach unter diplomatischen Schutz ausfliegen. Das die USA kein rechtsstaat sind, wurde nun schon hinlänglichst unter Beweis gestellt.
2. optional
seduro34 23.01.2014
Offenbar wurde die Frau auf Grund einer sehr belastenden Zeugenaussage zum Tode verurteilt. Alleine das ist ja schon eine merkwürdige Rechtssprechnung. Dann aber stellt sich heraus, das der Hauptbelastungszeuge, wegen deren Aussage sie zum Tode verurteilt wurde, offenbar gelogen hat (und das auch schon früher auch unter Eid) und nun darf dieser Hauptbelastungszeuge "schweigen" und das Verfahren, welches eigentlich nun hinfällig sein sollte, wird fortgesetzt bzw. sie wird neu angeklagt. Wie krass ist das denn?! Es geht hier um die Todesstrafe und nicht um ein, zwei Jahre mehr im Gefängnis. Der weitere Skandal ist, das man damals schon wusste, das der Zeuge zweifelhaft ist und diese Information hat man den Geschworenen vorenthalten. Auch wenn unsere Justiz nicht unfehlbar ist, im Moment bin ich froh, das sie nicht so funktioniert wie in den USA.
3. optional
guteronkel 23.01.2014
Wieso hat ein Beamter, als das sehe ich den ehrenwerten Herrn Saldate, Zeugnisverweigerungsrecht? Er scheint ein notorischer Lügner zu sein, der sich vor leichtgläubigem Publikum produzieren konnte. Er gehört auf die Folterbank und so richtig "durchgelassen". Anschließend gehört er in den Todestrakt und dann mit der 1-Medikamt (nur Pancuroniumbromid) exekutiert werden. Wenn das Mittel dann etwas brennt, dann hat es die erwünschte Wirkung erzielt. Weiter gehört auch die Frau Richterin einer hochnotpeinlichen Befragung unterzogen. Dann noch die gesamte Jury, welche die gute Debra Mielke zum Tode verurteilte, komplett dem Feuer überantwortet, und gut ist es.
4. frage
pefete 23.01.2014
Zitat von MalshandirAlso hier könnte auch die deutsche Botschaft einmal zeigen, wie man es macht und die Dame einfach unter diplomatischen Schutz ausfliegen. Das die USA kein rechtsstaat sind, wurde nun schon hinlänglichst unter Beweis gestellt.
welche staatsbürgerschaft hat sie? da sie zwar in deutschland geboren ist, ihr vater aber amerikaner ist, wird sie die amerikanische staatsangehörigkeit haben. und ob sie, wegen der deutschen mutter, auch die deutsche staatsangehörigkeit hat, ist fraglich.
5. Wildwestmethoden und Rechtsbeugung
Demokrator2007 23.01.2014
Zitat von sysopAPDie ehemalige Todeskandidatin Debra Milke muss weiterhin auf ihre endgültige Freiheit warten. Vor Gericht scheiterten die Anwälte der 49-Jährigen mit dem Antrag, das Verfahren einzustellen. Dabei muss die Anklage inzwischen ohne den wichtigsten Zeugen auskommen. Ex-Todeskandidatin Debra Milke wartet weiterhin auf Freiheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ex-todeskandidatin-debra-milke-wartet-weiterhin-auf-freiheit-a-945093.html)
Wenn die schießwütigen Cowboys mal jemanden im Fadenkreuz haben, auch wenn diese/r vermutl. unschuldig ist,dann braucht man mind. einen Freund wie Putin oder die Atombombe damit man nicht mehr behelligt wird. Irgendwie kommt mir das aus der Zeit des Wilden Westens oder des kalten Krieges ziemlich bekannt vor. So etwas erwarte ich von einer Diktatur. P.S.Die Inquisition gehört ins Mittelalter, das amerikanische Rechtssystem wohl auch und Europa tut gut daran sich mit denen nicht tiefer einzulassen, vor allem nicht wirtschaftlich.
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