Explosion in Hamburger S-Bahnhof Veddel Verteidiger legt Revision ein

Stephan K. wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er an einem Hamburger S-Bahnhof illegale Böller explodieren ließ. Jetzt landet der Fall vor dem Bundesgerichtshof.

Angeklagter Stephan K.
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Angeklagter Stephan K.


Im Fall des Anschlags auf einen Hamburger S-Bahnhof hat der Verteidiger Revision eingelegt. Das bestätigte eine Gerichtssprecherin auf SPIEGEL-Anfrage. Der Bundesgerichtshof wird sich nun damit befassen.

Stephan K. war unter anderem wegen versuchten Mordes zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts ließ der 52-Jährige im Dezember 2017 auf dem Bahnsteig der S-Bahn-Station Veddel zwei illegale Böller explodieren. Sie befanden sich mit mindestens 73 Schrauben in einer Plastiktüte (lesen Sie hier mehr über den Fall).

Vier Personen waren laut Gericht in der Nähe der Detonation, ein Mann habe ein Knalltrauma erlitten. Drei Gutachter bestätigten, der Sprengsatz hätte jemanden töten können. Es sei nur Zufall gewesen, dass die Tat glimpflich ausgegangen sei, sagte die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spohrs. Sie sprach von einem "perfiden, heimtückischen Anschlag", nannte die Tat "feige".

Stephan K. gestand die Tat. Er habe jedoch niemanden verletzen oder gar töten wollen. "Ich wollte die Leute erschrecken", sagte er vor Gericht.

Rassistisches Motiv "ziemlich wahrscheinlich"

Der Fall ist auch wegen der Vergangenheit des 52-Jährigen brisant: Jahrzehntelang galt Stephan K. laut Verfassungsschutz als gewaltbereiter Rechtsradikaler. 1992 war er zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er und ein Kumpan in Buxtehude einen Kapitän totgeschlagen hatten. Das Opfer hatte Hitler als Verbrecher bezeichnet.

Im Stadtteil Veddel, wo Stephan K. seinen Anschlag verübte, haben 70 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Ein rassistisches Motiv sei "ziemlich wahrscheinlich", sagte die Richterin.

Sie bezeichnete den Angeklagten als "glühenden Anhänger Hitlers", der in seiner rechtsextrem-nationalistischen Gesinnung verhärtet sei. Ob Stephan K. aus rechtsradikalen Motiven handelte, ließ sich im Prozess jedoch nicht abschließend klären.

jpz



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