Erweiterter Suizid in Thailand Empörung über Facebook-Videos von Baby-Mord

In Thailand hat ein 20-Jähriger seine elf Monate alte Tochter erhängt und Videos der Tat im Internet veröffentlicht. Danach tötete er sich selbst. Facebook-User alarmierten die Behörden, das Unternehmen ist erneut in der Bredouille.

Die Mutter des elf Monate alten Opfers mit einem Foto ihrer Tochter
REUTERS

Die Mutter des elf Monate alten Opfers mit einem Foto ihrer Tochter


Fast 24 Stunden lang waren bei Facebook zwei Videos abrufbar, die zeigen, wie ein Mann in Thailand seine elf Monate alte Tochter erhängt. Nachdem er die Kamera ausgeschaltet hatte, beging der Vater der Polizei zufolge Suizid.

Die Leiche des 20-jährigen Wuttisan Wongtalay und des Babys seien in einem abgelegenen Hotel auf der Insel Phuket gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher. Facebook-User hatten zuvor die Behörden informiert.

Das erste Video der Tat wurde demnach am Montag um 16.50 Uhr Ortszeit gepostet und verzeichnete bis Dienstagnachmittag 120.000 Zugriffe. Das zweite Video von 16.57 Uhr brachte es auf 258.000 Klicks. Facebook-User äußerten sich verstört und entsetzt über die Darstellung der Tat. "Wie kann er dabei zusehen, wie sein Kind aufhört zu atmen?" fragte ein Nutzer fassungslos.

Gegen 17 Uhr Ortszeit am Dienstag wurde das Material vom Netz genommen.

Als mögliches Tatmotiv gab der Sprecher an, der Mann habe sich mit seiner Ehefrau gestritten, weil er sich von ihr vernachlässigt gefühlt habe. Der Polizei zufolge lebte das Paar seit etwa einem Jahr zusammen. In dieser Zeit sei es zu häuslicher Gewalt gekommen, auch den fünfjährigen Sohn der Frau aus der ersten Ehe soll Wuttisan Wongtalay geschlagen haben. "Er hatte große Angst, dass seine Frau ihn verlassen wird."

Die thailändischen Behörden wollen nun klären, wie "unangemessene Onlineinhalte" bei Facebook, YouTube oder Instagram möglichst schnell aus dem Netz genommen werden können. "Dies ist ein entsetzlicher Vorfall und unsere Gedanken sind bei der Familie der Opfer", sagte ein Facebook-Sprecher in Singapur. "Es gibt absolut keinen Platz für solche Inhalte auf Facebook."

Bilder von Gewaltdelikten, sexuellem Missbrauch oder Pädophilie auf Facebook sorgen immer wieder für Empörung. Im Mai 2016 hatten thailändische Lokalmedien via Facebook Live übertragen, wie sich ein Universitätsdozent stundenlang vor der Polizei versteckte, die ihn wegen der mutmaßlichen Morde an zwei Kollegen suchte. Die Verhandlungen mit dem Tatverdächtigen schlugen fehl. Der Mann erschoss sich vor laufender Kamera, der Suizid wurde live übertragen.

Erst vor zwei Wochen postete ein Mann in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio ein Video von sich selbst, das zeigt, wie er einen Mann erschießt. Am Dienstag verurteilte ein schwedisches Gericht drei Männer zu Haftstrafen, die eine Frau vergewaltigt und die Tat ebenfalls live auf Facebook übertragen hatten.

Facebook versucht, verstörende Inhalte so schnell wie möglich zu blockieren. Nicht immer gelingt das, wie der aktuelle Fall zeigt. Unternehmensgründer Mark Zuckerberg erklärte in der vergangenen Woche, man habe "sehr viel zu tun", um dem Problem beizukommen. Facebook verlässt sich bisher vor allem auf seine 1,9 Milliarden User, wenn es darum geht, gefährliches Material zu identifizieren und Alarm zu schlagen. Offiziell arbeitet man an einer Software, die automatisch kritische Inhalte erkennt. Dies ist Experten zufolge jedoch äußerst schwer umzusetzen.

Thailands Minister für Digitales erklärte, man habe nicht vor, rechtlich gegen Facebook vorzugehen. Das Unternehmen habe vorschriftsgemäß gehandelt und sich sehr kooperativ verhalten.

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ala/Reuters



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