Fahndungserfolg Verdächtiger im Fall Dennis gesteht Morde an drei Kindern

Der Mordfall Dennis K. ist aufgeklärt: Ein 40-jähriger Pädagoge aus Norddeutschland hat zugegeben, den Jungen im September 2001 getötet zu haben. Außerdem räumte er die Morde an zwei weiteren Kindern ein. Ein Richter erließ Haftbefehl.

dapd/ Polizei

Verden - Zehn Jahre lang hat die Ermordung des neunjährigen Dennis K. die Ermittler beschäftigt. Nun ist der entscheidende Fahndungserfolg geglückt. Ein 40-jähriger Pädagoge aus Norddeutschland hat gestanden, den Jungen aus dem niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck getötet zu haben. Außerdem gab er zwei weitere Morde zu, das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Freitag in Verden mit.

Laut Staatsanwaltschaft Stade hat der 40-Jährige "exklusives Täterwissen präsentiert". Das Amtsgericht Stade habe am Donnerstagabend Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des dreifachen Mordes jeweils in Tateinheit mit der Entziehung von Minderjährigen mit Todesfolge erlassen. In drei weiteren Fällen soll er Kinder zudem missbraucht haben. Der mutmaßliche Serienmörder befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen.

Der Mann ist nach Polizeiangaben Pädagoge und derzeit in der Erwachsenenerziehung tätig. Er sei aber auch als Jugendbetreuer aktiv gewesen. Der ehemalige Lehramtsstudent sei ledig, lebe seit seinem 21. Lebensjahr allein, erklärte Profiler Alexander Horn. Seit zehn Jahren wohne der gebürtige Bremer in Hamburg. Zeugen hätten ihn als sozial unauffällig, hilfsbereit, akkurat und intelligent beschrieben.

Der Mann war bereits 2007 von der Soko "Dennis" überprüft worden. Damals habe sich jedoch kein Tatverdacht gegen den als Sexualstraftäter in Erscheinung getretenen Mann ergeben. Erst vor wenigen Wochen hatten die Fahnder eine heiße Spur gefunden. Am Mittwoch wurde dann die Wohnung des Mannes in Hamburg durchsucht. Aufgrund der Ergebnisse der Wohnungsdurchsuchung und weiterer Beweise wurde der Mann festgenommen.

Ermittler gingen schon länger von Serientäter aus

Dennis K. war in der Nacht zum 5. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel im Kreis Cuxhaven verschwunden. Pilzsammler hatten die Leiche des ermordeten Schülers zwei Wochen später etwa 40 Kilometer entfernt entdeckt. Vom Täter fehlte lange jede Spur, die Ermittler jagten ein Phantom.

Bei einem der beiden anderen getöteten Jungen soll es sich um Dennis R. handeln. Die Staatsanwaltschaft berichtete von zahlreichen Indizien im Fall des Mordes im Sommer 1995. Der Beschuldigte habe ein Ferienhaus in Dänemark angemietet. In dessen Nähe war die Leiche des Achtjährigen gefunden worden. Der Junge war aus dem Ferienzeltlager am Selker Noor bei Schleswig entführt worden.

Außerdem hat der Täter den Mord an dem 13-jährigen Stefan J. aus Hamburg gestanden. Dieser war in der Nacht zum 31. März 1992 aus einem Internat in Scheeßel in Niedersachsen verschwunden. Zurück blieb in einem Aufenthaltsraum ein Schlafanzug, das Fenster stand offen. Wochen später wurde die gefesselte Leiche, vergraben in den Verdener Dünen, entdeckt.

Die Sonderkommission "Dennis" ging schon länger von einem Serientäter aus, der in Deutschland lebt, weil er einen starken geografischen Bezug zum Raum Bremen und dessen Umland hatte: In dieser Gegend ereignete sich die größte Anzahl der Taten. Mit dem Tod von Dennis K. hatten die Fahnder die Zusammenhänge mit anderen Morden erkannt.

Zwischen 1992 und 2004 wurden insgesamt fünf Jungen überwiegend nach demselben Muster getötet - in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Mindestens 40 Kinder wurden zudem sexuell missbraucht. Alle Mordopfer verschwanden aus Schullandheimen, Zeltlagern oder Einfamilienhäusern. Drei dieser Taten hat der Festgenommene gestanden.

Neue Spur dank Zeugenaussage

Den entscheidenden Hinweis hatte ein früheres Missbrauchsopfer gegeben. Der Zeuge habe sich nach dem erneuten Fahndungsaufruf vor neun Wochen noch einmal bei der Polizei gemeldet, teilten die Ermittler mit. Dabei machte er Angaben, die auf die Spur des 40-Jährigen führten, der nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums Martin N. heißt.

Der Zeuge berichtete demnach, er sei mehrere Monate vor dem Missbrauch bei einer Jugendfreizeit von einem Betreuer in auffälliger Weise auf seine Wohnsituation angesprochen worden. Der Täter drang dann 1995 in das Haus des Jungen ein.

Weitere Hinweise kamen von einem Zeitsoldaten, der im September 2001 ein Auto auf einem Waldweg gesehen hatte. In dem Fahrzeug befanden sich nach bisherigem Ermittlungsstand Dennis K., am Steuer habe ein Anfang 30 Jahre alter, dunkel gekleideter, bulliger Mann mit Brille gesessen, so die Fahnder.

Diese Angaben stimmen mit einer sogenannten Situationsskizze der Polizei überein. Diese hatten die Fahnder angefertigt, um zu zeigen, wie der Täter 2001 ausgesehen haben könnte. "Das äußere Erscheinungsbild des Festgenommenen entspricht dem der Beschreibung der Opfer vom 'großen, schwarzen Mann'", sagte Martin Erftenbeck, Leiter der Soko "Dennis".

jok/ulz/wit/dpa/dapd/AFP

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