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24. Februar 2013, 13:15 Uhr

Wegen fahrlässiger Tötung

Auch Bruder von Pistorius muss vor Gericht

Erneut gerät die Familie von Oscar Pistorius in die Schlagzeilen: Auch Carl Pistorius, der Bruder des Paralympics-Stars, muss sich vor Gericht verantworten. Er soll bei einem tödlichen Verkehrsunfall rücksichtslos gehandelt haben.

Addis Abeba/Pretoria - Der Sportstar Oscar Pistorius muss sich bereits vor Gericht verantworten, jetzt folgt ihm sein Bruder: Carl Pistorius werde nach einem Autounfall wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, teilte der Anwalt der Familie Kenny Oldwage am Sonntag mit. Weitere Details nannte er nicht.

Der Unfall soll sich bereits im Jahr 2010 nahe Vanderbijlpark südlich von Johannesburg ereignet haben, berichten südafrikanische Medien. Eine Motorradfahrerin kam dabei ums Leben. Carl Pistorius soll fahrlässig und rücksichtslos gehandelt haben, so zitiert der Nachrichtensender eNews Channel Africa (eNCA) aus der Anklage. Der Beschuldigte habe nicht unter Alkoholeinfluss gestanden, das habe eine Blutprobe ergeben.

Die Gerichtsverhandlung sei für Ende März angesetzt, berichtete der Nachrichtensender. Eigentlich sollte Carl Pistorius schon am Donnerstag vor Gericht erscheinen, an dem Tag lief auch die Anhörung zur Haftprüfung seines Bruders Oscar.

Anfang Juni muss Oscar Pistorius wieder vor Gericht erscheinen

Oscar Pistorius, sechsfacher Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympischen Spielen, saß über eine Woche in Haft. Der 26-Jährige steht unter Mordverdacht: Am Valentinstag hatte er seine Freundin Reeva Steenkamp, 29, erschossen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, Steenkamp vorsätzlich erschossen zu haben. Pistorius sagt, er habe sie aus Versehen erschossen. Als er schoss, sei seine Freundin im Badezimmer gewesen - hinter verschlossener Tür. Pistorius sagt, er habe gedacht, im Badezimmer sei ein Einbrecher. Steenkamp, ein Model und Reality-TV-Star, starb in den frühen Morgenstunden des 14. Februar.

Ende der Woche kam Oscar Pistorius frei gegen Kaution von eine Million südafrikanische Rand, rund 85.000 Euro. Viele Südafrikaner reagierten empört auf diese Entscheidung: "Pistorius wurde mit Samthandschuhen angefasst, von den Behörden und den Medien, weil er ein privilegierter, reicher, weißer Südafrikaner ist", empörte sich etwa der angesehene Kolumnist Rapule Tabane von der Wochenzeitung "Mail & Guardian".

Oscar Pistorius muss zudem viele Auflagen erfüllen, so musste er alle Pässe und Waffen abgeben, er darf keinen Flughafen betreten, nicht mit Zeugen sprechen und keinen Alkohol trinken. Auch sein Haus darf er nicht betreten, deswegen war er vorerst bei seinem Onkel untergekommen. Inzwischen ist er wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. "Wir sind sehr dankbar, dass Oscar jetzt zu Hause ist", teilte der Onkel Arnold Pistorius auf der Webseite des Sportlers mit. "Was geschehen ist, hat unsere Leben für immer verändert."

Anscheinend will Pistorius Kontakt zur Familie von Reeva Steenkamp aufnehmen: "Wir wollen keinerlei Druck auf ihn ausüben, aber als wir im Auto waren, hat er gesagt, dass er dies tun will", sagte sein Onkel Arnold Pistorius am Samstag dem Sender eNCA. "Reevas Familie ist immer in seinen Gedanken, und er möchte gerne in Zukunft ein Teil dieser Familie sein."

Es ist fraglich, ob Pistorius' Angebot auf deren Verständnis stößt. Reevas Vater Barry Steenkamp appellierte an das Gewissen des Sportlers: "Es ist egal, wie viel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen", sagte er der Zeitung "Beeld".

Am 4. Juni muss der Leichtathlet erneut vor Gericht erscheinen. Wenn er wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen wird, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich.

fln/dpa/AP

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