Wegen fahrlässiger Tötung: Auch Bruder von Pistorius muss vor Gericht

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Carl Pistorius: Auch der Bruder des Sportstars Oscar Pistorius muss vor Gericht

Erneut gerät die Familie von Oscar Pistorius in die Schlagzeilen: Auch Carl Pistorius, der Bruder des Paralympics-Stars, muss sich vor Gericht verantworten. Er soll bei einem tödlichen Verkehrsunfall rücksichtslos gehandelt haben.

Addis Abeba/Pretoria - Der Sportstar Oscar Pistorius muss sich bereits vor Gericht verantworten, jetzt folgt ihm sein Bruder: Carl Pistorius werde nach einem Autounfall wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, teilte der Anwalt der Familie Kenny Oldwage am Sonntag mit. Weitere Details nannte er nicht.

Der Unfall soll sich bereits im Jahr 2010 nahe Vanderbijlpark südlich von Johannesburg ereignet haben, berichten südafrikanische Medien. Eine Motorradfahrerin kam dabei ums Leben. Carl Pistorius soll fahrlässig und rücksichtslos gehandelt haben, so zitiert der Nachrichtensender eNews Channel Africa (eNCA) aus der Anklage. Der Beschuldigte habe nicht unter Alkoholeinfluss gestanden, das habe eine Blutprobe ergeben.

Die Gerichtsverhandlung sei für Ende März angesetzt, berichtete der Nachrichtensender. Eigentlich sollte Carl Pistorius schon am Donnerstag vor Gericht erscheinen, an dem Tag lief auch die Anhörung zur Haftprüfung seines Bruders Oscar.

Anfang Juni muss Oscar Pistorius wieder vor Gericht erscheinen

Oscar Pistorius, sechsfacher Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympischen Spielen, saß über eine Woche in Haft. Der 26-Jährige steht unter Mordverdacht: Am Valentinstag hatte er seine Freundin Reeva Steenkamp, 29, erschossen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, Steenkamp vorsätzlich erschossen zu haben. Pistorius sagt, er habe sie aus Versehen erschossen. Als er schoss, sei seine Freundin im Badezimmer gewesen - hinter verschlossener Tür. Pistorius sagt, er habe gedacht, im Badezimmer sei ein Einbrecher. Steenkamp, ein Model und Reality-TV-Star, starb in den frühen Morgenstunden des 14. Februar.

Ende der Woche kam Oscar Pistorius frei gegen Kaution von eine Million südafrikanische Rand, rund 85.000 Euro. Viele Südafrikaner reagierten empört auf diese Entscheidung: "Pistorius wurde mit Samthandschuhen angefasst, von den Behörden und den Medien, weil er ein privilegierter, reicher, weißer Südafrikaner ist", empörte sich etwa der angesehene Kolumnist Rapule Tabane von der Wochenzeitung "Mail & Guardian".

Oscar Pistorius muss zudem viele Auflagen erfüllen, so musste er alle Pässe und Waffen abgeben, er darf keinen Flughafen betreten, nicht mit Zeugen sprechen und keinen Alkohol trinken. Auch sein Haus darf er nicht betreten, deswegen war er vorerst bei seinem Onkel untergekommen. Inzwischen ist er wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. "Wir sind sehr dankbar, dass Oscar jetzt zu Hause ist", teilte der Onkel Arnold Pistorius auf der Webseite des Sportlers mit. "Was geschehen ist, hat unsere Leben für immer verändert."

Anscheinend will Pistorius Kontakt zur Familie von Reeva Steenkamp aufnehmen: "Wir wollen keinerlei Druck auf ihn ausüben, aber als wir im Auto waren, hat er gesagt, dass er dies tun will", sagte sein Onkel Arnold Pistorius am Samstag dem Sender eNCA. "Reevas Familie ist immer in seinen Gedanken, und er möchte gerne in Zukunft ein Teil dieser Familie sein."

Es ist fraglich, ob Pistorius' Angebot auf deren Verständnis stößt. Reevas Vater Barry Steenkamp appellierte an das Gewissen des Sportlers: "Es ist egal, wie viel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen", sagte er der Zeitung "Beeld".

Am 4. Juni muss der Leichtathlet erneut vor Gericht erscheinen. Wenn er wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen wird, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich.

fln/dpa/AP

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insgesamt 60 Beiträge
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1.
punkt.91 24.02.2013
alle in ein Sack und drauf gehauen, trifft man immer den Richtigen...
2. ihre Familie wird sicherlich begeistert sein...
claudia82 24.02.2013
...selbst wenn es ein Versehen war, es war falsch von ihm, wegen ihm haben sie ihre Tochter verloren. Denkt er ernsthaft sie möchten ihn gern als Teil IHRER Familie haben? Vielleicht ist er wirklich etwas geistig umnachtet dieser Tage. Was der Bruder jetzt damit zu tun haben soll und einen ganzen Artikel auf SPON bekommt, ist mir übrigens schleierhaft. Soll man jetzt Schlüsse auf evtl. Mördergene im Pistorius-Clan ziehen?
3. Vorsatz
o.schork 24.02.2013
Für mich ist die Frage nach "Vorsatz" etwas seltsam. Wer vier Schüsse in 1.5m Höhe in Richtung eines Menschen in einen 1x1,14 m großen Raum abgibt der hat zweifelsohne Tötungsabsicht. Egal WEN er töten wollte.
4.
tobilino 24.02.2013
Zitat von punkt.91alle in ein Sack und drauf gehauen, trifft man immer den Richtigen...
hahaha...ja,so ähnlich dachte ich auch schon... viel interessanter ist,dass seit einigen stunden wohl doch genaueres in bezug auf den cricketschläger duchsickert... in südafrika schon der aufmacher...scheinbar wurde eben doch blut am schläger festgestellt... bin ja mal gespannt,ob da eventuell der erste dominostein zu fallen beginnt...
5. Unschuldsvermutung
rkinfo 24.02.2013
Es ist gut dass man in Südafrika freie Richter und vor einer Verhandlung die Freilassung mangels Flucht- und Wiederholungsgefahr übt. Das wäre wohl bei uns ähnlich - hoffentlich. Der Bruder steht wohl zwischen fahrlässiger und grob fahrläsiiger Tötung während bei Oscar Pistorius doch zwischen grober Fahrlässigkeit und Mord zu entscheiden sein wird. Sicherlich wird die Kunst seine Anwälte über das Urteil mit entscheiden. Aber auch wenn der Vorsatz ihm nicht zweifelsfrei nachweisbar sein würde wäre die von ihm umgesetzung Tötung klar - also langjähriges Gefängniss. Oscar Pistorius ist vom Nationalheld zum Knastbruder gefallen - unvermeidbar.
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