Fall Amad A. Zu Unrecht inhaftierter Syrer soll tödliches Feuer selbst gelegt haben

Amad A. starb nach einem Brand in seiner Zelle. Das Feuer im Gefängnis in Kleve steckte der Flüchtling laut einem Gutachten selbst an. Dennoch bleiben Ungereimtheiten.

Tür zur ausgebrannten Zelle 143 im Gefängnis Kleve
DPA

Tür zur ausgebrannten Zelle 143 im Gefängnis Kleve


Der wegen einer Verwechslung inhaftierte und nach einem Zellenbrand in Kleve gestorbene Syrer hat das Feuer laut einer externen Untersuchung selbst verursacht. Das geht aus einem nun veröffentlichten Bericht des nordrhein-westfälischen Justizministeriums hervor.

Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass Amad A. den Brand vorsätzlich, "vermutlich mit suizidaler Absicht" gelegt hat. Das genaue Motiv bleibe rätselhaft, sagte CDU-Landesjustizminister Peter Biesenbach. Der mehr als 60 Seiten starke Bericht soll am Mittwoch im Rechtsausschuss des Landtags erörtert werden.

Ob in dem Gefängnis frühere Hilfe möglich gewesen wäre, ist dem Bericht zufolge unklar. Der Syrer hatte demnach mindestens 15 Minuten lang in dem Feuer ausgeharrt, bevor er über eine Gegensprechanlage versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Der Bedienstete am anderen Ende der Leitung habe ihm mitgeteilt, "dass er derzeit noch ein Telefonat zu führen habe und sich später melden würde".

Schwerste Verbrennungen

Anschließend habe der Gefangene "sich nicht weiter bemerkbar gemacht", hieß es. Weitere Vernehmungen sollen ergeben, ob der Mann überhaupt angehört oder weggedrückt wurde.

Der 26-jährige Amad A. war am 29. September - zwei Wochen nach dem Feuer in seiner Gefängniszelle - in einer Bochumer Klinik gestorben. Er hatte bei dem Brand schwerste Verbrennungen erlitten.

Wegen einer Verwechslung mit einem namensgleichen Dieb saß er zuvor mehr als zwei Monate zu Unrecht im Gefängnis. Der Syrer hätte trotz dieser Verwechslung mit dem malischen Asylbewerber nach SPIEGEL-Informationen schon Wochen dem Brand aus dem Gefängnis kommen können - gegen eine Zahlung von gerade einmal 285 Euro.

Amad A. wehrte sich jedoch nicht gegen die Haft und verlangte auch keinen Anwalt. Ein Grund dafür könnte laut Justizminister Biesenbach darin liegen, dass mehrere Frauen ihm sexuelle Belästigung und Nachstellungen vorgeworfen hatten.

apr/dpa



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