Amanda Knox: US-Juristen erwarten jahrelanges Verfahren

Amanda Knox in Perugia vor Gericht (Archiv): Fall wird neu aufgerolltZur Großansicht
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Amanda Knox in Perugia vor Gericht (Archiv): Fall wird neu aufgerollt

Der Fall Amanda Knox geht in eine neue juristische Runde - und die könnte dauern: Amerikanische Rechtsexperten gehen von möglicherweise jahrelangen Verhandlungen aus. Der US-Anwalt der 25-Jährigen betonte, seine Mandantin müsse zu einem Prozess nicht nach Italien reisen.

Hamburg/Rom - Nach der Aufhebung des Freispruchs für Amanda Knox hat in den US-Medien eine breite juristische Diskussion eingesetzt. Rechtsexperten erwarten ein kompliziertes Verfahren, das sich jahrelang hinziehen könnte.

Knox-Anwalt Ted Simon betonte, dass seine Mandantin nicht verpflichtet sei, persönlich zu dem neuen Prozess zu erscheinen. Ihr italienischer Anwalt Carlo Dalla Vedova erwartet nach eigener Aussage nicht, dass die 25-Jährige anreisen werde.

Kernfrage ist US-Juristen zufolge, ob Knox nach Italien ausgeliefert werden könne, falls sie im neuen Verfahren schuldig gesprochen und dieses Urteil von Berufungsinstanzen bestätigt werde. Wahrscheinlich werde Italien in einem solchen Fall eine Auslieferung beantragen, sagte Rechtsexperte Paul Callan in einem CNN-Interview. Es sei aber fraglich, ob die USA diesem Ersuchen folgen würden.

Callan verwies auf das geltende US-Recht, demzufolge in den Vereinigten Staaten niemand zweimal wegen desselben Verbrechens vor Gericht gestellt werden dürfe. Demnach könnten die US-Behörden argumentieren, dass der Fall nach dem vorausgegangenen Freispruch für Knox erledigt sei. Umgekehrt könnten die italienischen Stellen darauf pochen, dass nach ihrem Landesrecht ein Verfahren erst dann abgeschlossen sei, wenn es alle Instanzen durchlaufen habe.

Insgesamt halten es US-Experten aber für eher unwahrscheinlich, dass es zu einer Auslieferung kommen würde. Ein solcher Schritt sei zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht in Sicht, so Knox-Anwalt Simon.

Knox und ihrem früheren Freund Raffaele Sollecito wird vorgeworfen, die britische Austauschstudentin Meredith Kercher 2007 in Perugia bei ausufernden Sexspielen getötet zu haben. Nach einer ersten Verurteilung waren sie im Oktober 2011 in zweiter Instanz freigesprochen worden. Dagegen hatten die Familie des Opfers und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

hut/dpa/AP

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insgesamt 11 Beiträge
Veterano48 26.03.2013
Ein neuer Prozess wird auch nicht zur Wahrheitsfindung führen. Für die Eltern der Ermordeten sicher bitter, aber warum tun die sich das an. Frau Knox wird mit Hilfe von amerikanischen TV Sendern, Presse und Verlagen ihr Einkommen [...]
Ein neuer Prozess wird auch nicht zur Wahrheitsfindung führen. Für die Eltern der Ermordeten sicher bitter, aber warum tun die sich das an. Frau Knox wird mit Hilfe von amerikanischen TV Sendern, Presse und Verlagen ihr Einkommen "etwas" vergrößern.
chb_74 26.03.2013
Aha, in den USA kann man also nicht 2x wegen des gleichen Vorwurfs vor Gericht gestellt werden. Interessant. Und? Die Tat passierte in Italien, und da ist US-Recht völlig irrelevant; auch US-Amerikaner werden irgendwann mal [...]
Aha, in den USA kann man also nicht 2x wegen des gleichen Vorwurfs vor Gericht gestellt werden. Interessant. Und? Die Tat passierte in Italien, und da ist US-Recht völlig irrelevant; auch US-Amerikaner werden irgendwann mal erkennen, dass ihr Land nicht Mitte und Maßstab der Welt ist. Mit der Logik könnte sich übrigens jeder Europäer eine Verurteilung zum Tod in den USA verbitten, weil es in seinem europäischen Land ja keine Todesstrafe gibt. ;-)
obi wan 26.03.2013
Was wirklich passiert ist weiß ich nicht. Da Einzige was sicher ist: die Ermittlungsbehörden waren unglaublich unfähig. Und da deshalb keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld vorgelegt wurden, ist unschuldig (So ist das in [...]
Zitat von Veterano48Ein neuer Prozess wird auch nicht zur Wahrheitsfindung führen. Für die Eltern der Ermordeten sicher bitter, aber warum tun die sich das an. Frau Knox wird mit Hilfe von amerikanischen TV Sendern, Presse und Verlagen ihr Einkommen "etwas" vergrößern.
Was wirklich passiert ist weiß ich nicht. Da Einzige was sicher ist: die Ermittlungsbehörden waren unglaublich unfähig. Und da deshalb keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld vorgelegt wurden, ist unschuldig (So ist das in einem Rechtsstaat). Und für die unrechtmäßige Inhaftierung steht ihr damit auch eine Entschädigung zusätzlich zur Übernahme der entstandenen Kosten zu. Die hat man ihr durch einen juristischen Taschenspielertrick vorenthalten. Somit muss sie anders zu dem Geld kommen.
Yacco 26.03.2013
Die Rechtsordnung der meisten Staaten sieht vor, daß eigene Bürger bei Auslieferungsansuchen anderer Staaten nur dann ausgeliefert werden, wenn das Verbrechen auch im eigenen Staat vom Gericht verfolgt würde. Ansonsten müssten [...]
Zitat von chb_74Aha, in den USA kann man also nicht 2x wegen des gleichen Vorwurfs vor Gericht gestellt werden. Interessant. Und? Die Tat passierte in Italien, und da ist US-Recht völlig irrelevant; auch US-Amerikaner werden irgendwann mal erkennen, dass ihr Land nicht Mitte und Maßstab der Welt ist. Mit der Logik könnte sich übrigens jeder Europäer eine Verurteilung zum Tod in den USA verbitten, weil es in seinem europäischen Land ja keine Todesstrafe gibt. ;-)
Die Rechtsordnung der meisten Staaten sieht vor, daß eigene Bürger bei Auslieferungsansuchen anderer Staaten nur dann ausgeliefert werden, wenn das Verbrechen auch im eigenen Staat vom Gericht verfolgt würde. Ansonsten müssten all die Deutschen, die mit unverheirateten Frauen in bestimmten Ländern rummachen die Auslieferung zwecks Auspeitschung befürchten.
aries2013 27.03.2013
Die italienische Justiz hat geschlampt. Deshalb ist nicht mehr herauszufinden, was genau passiert ist. Das heißt aber auch, dass nichts dafür spricht, dass Frau Knox schuldig ist. Es ist davon auszugehen, dass sie unschuldig ist. [...]
Die italienische Justiz hat geschlampt. Deshalb ist nicht mehr herauszufinden, was genau passiert ist. Das heißt aber auch, dass nichts dafür spricht, dass Frau Knox schuldig ist. Es ist davon auszugehen, dass sie unschuldig ist. Dass sie jetzt Millionen mit dem Fall verdient, sehe ich nur als verdiente Entschädigung für vier Jahre Freiheitberaubung durch die italienische "Justiz" an, die selbst ihr eine angemessene Entschädigung versagt. Für die Familie des Mordopfers, ist es sicher schmerzlich, dass Frau Knox mehr im Mittelpunkt steht, als die Getötete. Durch ihre Klage gegen den Freispruch, trägt sie dazu aber auch bei, und sollte sich nicht beschweren. Beschweren solte sie sich vor allem über einen: die italienische Justiz. Von einer Justiz, die schlampig arbeitet, die in einem anderen Fall Erdbebenforscher dafür bestrafen, ein Erdbeben nicht vorhergesehen zu haben, und über die ein mehrfach vom Volk gewählter Ministerpräsident sagt, sie sei schlimmer als die Mafia, ist absolut nicht zu halten. Die USA werden Frau Knox wahrscheinlich selbst im unwahrscheinlichen Falle einer Verurteilung nicht ausliefern, und das ist auch gut so! Nur sollte man für Frau Knox, die offenbar traumatisiert ist, das jetzt schon einmal öffentlich klarstellen. Jedenfalls hat sie auch jeden Cent den sie jetzt noch einmal zusätzlich damit verdient, auch wirklich verdient. Und noch eines zum Justizsystem der USA: Dieses ist nicht besser. Dort werden Unschuldige verurteilt (z. B. Debra Milke) und Schuldige (z. B. Casey Anthony) freigesprochen. Aber in diesem Fall steht die USA auf der richtigen Seite.
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  • Dienstag, 26.03.2013 – 19:52 Uhr
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