Tödliche Attacke am Alexanderplatz Hauptverdächtiger in Berlin festgenommen

Der mutmaßliche Haupttäter bei der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. am Alexanderplatz ist in Deutschland festgenommen worden. Onur U. sei am Berliner Flughafen Tegel gefasst worden, erklärte die Justizbehörde.

Alexanderplatz in Berlin: Ort der tödlichen Attacke auf Jonny K.
DPA

Alexanderplatz in Berlin: Ort der tödlichen Attacke auf Jonny K.


Berlin - Der Hauptverdächtige im Fall der tödlichen Attacke am Berliner Alexanderplatz hat sich den deutschen Behörden gestellt. Der in der Türkei untergetauchte Onur U. wurde am Montagnachmittag gleich nach seiner Ankunft am Flughafen Tegel festgenommen. Das bestätigte die Berliner Justizbehörde.

U. soll noch am Nachmittag vor den Haftrichter kommen. Er gilt als Anstifter der Tat. U.s Anwalt Axel Weimann teilte mit, die Rückkehr seines Mandanten sei in Abstimmung mit Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt erfolgt.

Der 20-jährige Jonny K. war am 14. Oktober von sechs Männern so brutal zusammengeschlagen worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Auch ein Freund wurde angegriffen und verletzt. Der Gewaltexzess hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Insgesamt gibt es in dem Fall außer Onur U. fünf weitere Verdächtige. Gegen vier wurde bereits Anklage erhoben. Ein Prozess soll voraussichtlich im Mai beginnen.

Die Berliner Justiz hatte sich monatelang um Onur U.s Auslieferung bemüht - ohne Erfolg. Selbst Kanzlerin Angela Merkel hatte sich bei ihrer Türkei-Reise im Februar in den Fall eingeschaltet und für die Strafverfolgung eingesetzt. Anfang April hatte die türkische Justiz Ermittlungen wegen Mordes gegen U. aufgenommen.

Der deutsche Haftbefehl bestand weiter. Offenbar war der Druck so groß, dass der Hauptverdächtige sich zur Rückreise entschied. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung eine härtere Strafe gedroht. Dort wäre in seinem Fall kein Jugendstrafrecht angewendet worden.

Die Ermittlungen in der Türkei seien nicht Anlass für die Rückkehr gewesen, teilte U.s Verteidiger mit. Die Rückkehr habe sich lange hinausgezögert, weil U. befürchte, als "Mörder" abgestempelt zu werden sowie keinen fairen Prozess und keine unvoreingenommenen Richter zu bekommen. Der Angeklagte werde sich im Prozess zu den Tatvorwürfen äußern.

ulz/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.