Fall Maria in Griechenland Ermittler sollen Standesämter überprüfen

Das Schicksal der kleinen Maria in Griechenland gibt viele Rätsel auf - und hat umfassende Ermittlungen in der Verwaltung ausgelöst. Auf der Suchliste von Interpol taucht das mutmaßlich entführte Mädchen nicht auf. Eltern vermisster Kinder machen sich trotzdem Hoffnung.

AP/dpa

Athen - Der Fall der mutmaßlich entführten kleinen Maria sorgt in Griechenland weiter für umfangreiche Ermittlungen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat die Staatsanwaltschaft beim Obersten Gericht eine Untersuchung in sämtlichen Standesämtern des Landes angeordnet. Es solle geprüft werden, wo in den vergangenen fünf Jahren Kinder nur unter Vorlage eidesstattlicher Versicherungen angemeldet wurden und ob Menschenhandel, Kindesentführung und Sozialbetrug mit Kindergeldern vorliegen könnten.

Bisher war es bei Hausgeburten möglich, durch die Vorlage von zwei eidesstattlichen Versicherungen von Zeugen ein Kind anzumelden. Diese Regelung machten sich auch die Zieheltern der kleinen Maria zunutze, als sie das Kind in Athen registrieren ließen. Sie hatten nach Polizeiangaben insgesamt 14 Kinder angemeldet, um illegal Kindergeld zu kassieren

Um die richtigen Eltern des Mädchens zu finden, überprüft die Polizei fast ein Dutzend Vermisstenfälle aus mehreren Ländern. Maria werde nicht in der Vermisstenkartei der internationalen Polizeibehörde Interpol geführt, berichteten griechische Medien unter Berufung auf Polizeiquellen. Demnach beantwortete die Interpol-Zentrale im französischen Lyon eine Anfrage der griechischen Polizei negativ. Die von den Behörden eingesandten DNA-Proben stimmten nicht mit dem Erbgut vermisster Personen überein, das Interpol vorliegt.

Spur nach Bulgarien

Unterdessen machen sich viele Eltern vermisster Kinder in Europa Hoffnung, die etwa Fünfjährige könnte ihre Tochter sein. So haben sich Behörden aus mindestens sieben europäischen Ländern und aus Griechenland selbst mit DNA-Proben an die Behörden in Athen gewandt.

Das kleine blonde Mädchen war am vergangenen Donnerstag in einer Roma-Siedlung entdeckt worden. Das Paar, bei dem die Kleine lebte, sitzt seit Montag wegen des Verdachts auf Kindesentführung in Untersuchungshaft. Vor dem Haftrichter sagten die 40-Jährige und der 39-Jährige laut Berichten aus, ein Paar aus Bulgarien habe ihnen das Kind anvertraut, weil es das Mädchen nicht großziehen konnte.

Einen möglichen Zusammenhang mit Bulgarien will auch die griechische Polizei nicht ausschließen. Demnach könnte das Mädchen den Roma in die Hände gefallen sein, als in Bulgarien ein Ring von Kriminellen ausgehoben wurde, der von 2008 bis 2010 illegale Adoptionen vermittelte.

Ähnlicher Fall in Irland?

Die Ermittler waren auf das Kind aufmerksam geworden, weil sein Aussehen in keiner Weise mit dem seiner angeblichen Eltern übereinstimmte. DNA-Tests ergaben keine Übereinstimmung zwischen dem Erbgut des Kinds und dem Paar. Eine zahnärztliche Untersuchung ergab, dass das Mädchen fünf bis sechs Jahre alt ist.

In der Athener Stadtverwaltung hat der Fall "Maria" inzwischen auch zu personellen Konsequenzen geführt. Der Bürgermeister der griechischen Hauptstadt, Giorgos Kaminis, hat vier leitende Standesbeamte suspendiert.

Am Dienstag haben irische Behörden in Dublin ebenfalls einer Roma-Familie ein blondes Mädchen weggenommen. Das sieben Jahre alte Kind sei von den Behörden in Pflege genommen worden. Gegen die Eltern gebe es jedoch keine konkreten Verdachtsmomente, teilte die Polizei mit. Das Mädchen werde derzeit von Spezialisten betreut. Es sei körperlich gesund. Der Fall werde bei Europol und Interpol mit Fällen vermisster Kinder abgeglichen.

Die Roma-Familie legte eine Geburtsurkunde für das Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen vor. Die Behörden seien damit jedoch nicht zufrieden gewesen. In dem Krankenhaus in Dublin, in dem das Kind 2006 zur Welt gekommen sein soll, war von der Geburt nichts bekannt. Auch das Babyfoto im Reisepass warf Fragen auf.

wit/dpa/AFP

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