Fall Marwa al-Scherbini Ägypten sagt Versöhnungskonzerte mit Dresdner Orchester ab

Aus Angst vor anti-deutschen Protesten hat das ägyptische Kultusministerium einem Zeitungsbericht zufolge zwei Konzerte der Dresdner Staatskapelle abgesagt. Das Orchester wollte die Auftritte verbinden mit einer Geste der Versöhnung für die Tötung der Ägypterin Marwa al-Scherbini in einem Dresdner Gerichtssaal.

DPA

Kairo - Wenige Tage vor Prozessbeginn gegen den mutmaßlichen Mörder der 31-jährigen Ägypterin Marwa al-Scherbini hat das ägyptische Kultusministerium zwei Konzerte der Dresdner Staatskapelle in Alexandria und Kairo für Ende Oktober und Anfang November abgesagt. Das berichtet die Tageszeitung "Masr-al-Jom" in ihrer Samstagsausgabe und beruft sich dabei auf Regierungskreise. Die bereits seit März geplanten Auftritte wollte das Orchester mit einer Geste der Versöhnung verbinden.

Der Sprecher des ägyptischen Kultusministeriums, Hossam Nasser, sagte zu "Masr-al-Jom", man habe die Konzerte abgesagt, weil man die Gefühle der Trauernden respektiere und die Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland nicht belasten wolle. Der Verzicht sei keine Reaktion auf das Schreiben der Familie, man habe vielmehr aus Rücksicht auf das Volk gehandelt.

Die schwangere Scherbini war am 1. Juli während eines Berufungsprozesses im Landgericht Dresden angegriffen und mit mindestens 18 Messerstichen getötet worden. Der 32 Jahre alte Ehemann der Frau wurde schwer verletzt, als er ihr zur Hilfe kommen wollte. Die Tat geschah vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes. In der Verhandlung ging es um Beleidigung, der Täter hatte die Frau Mitte 2008 auf einem Spielplatz als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beschimpft. Sie hatte daraufhin Anzeige erstattet.

Die Tat hat in zahlreiche islamischen Ländern zu heftigen Reaktionen geführt, weil der mutmaßliche Mörder den Gerichtssaal mit einem Messer betreten konnte. Auch in Ägypten sorgte der Fall für heftige Diskussionen, und zahlreiche Menschen - die Familien der Getöteten eingeschlossen - hatten gegen die beiden Konzerte des Dresdner Orchesters protestiert. Die Hinterbliebenen schrieben auf einer speziell eingerichteten Internetseite: "Gerechtigkeit für Marwa al-Scherbini geht vor." Mit ihrem Anliegen wandten sie sich auch an die ägyptischen Behörden.

rom



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udo46, 25.10.2009
1. xxx
Zitat von sysopAus Angst vor anti-deutschen Protesten hat das ägyptische Kultusministerium einem Zeitungsbericht zufolge zwei Konzerte der Dresdner Staatskapelle abgesagt. Das Orchester wollte die Auftritte verbinden mit einer Geste der Versöhnung für die Tötung der Ägypterin Marwa al-Scherbini in einem Dresdner Gerichtssaal. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,657165,00.html
Schon geht es nicht mehr um den Fall eines rassistischen Hirntoten und seine Aburteilung, sondern wir sind schon wieder mittendrin im Kulturkampf. Man braucht sich nur die Fahnen anzusehen, die aus Protest auf Karatschis Strassen verbrannt wurden: die deutsche, die israelische und die US-amerikanische. Dieser kulturkämpferische Zusammenhang wird jetzt immer häufiger und bei immer mehr Anlässen heraufbeschworen. Unsere Zukunft steht unter dem Zeichen: Der Islamismus gegen den Rest der Welt. Wer das nicht begreift, hat nichts begriffen.
ischrock 25.10.2009
2. Ja
Angesichts des deutschen Wischiwaschis mit Verbrechen und Straftätern finde ich die ägyptische Reaktion sehr präzise und sehr passend. Andere Länder haben eben mehr Stolz. Sehr wohltuend!
Arent 25.10.2009
3. Die Reaktion der Ägypten ist ungerecht
Zitat von sysopAus Angst vor anti-deutschen Protesten hat das ägyptische Kultusministerium einem Zeitungsbericht zufolge zwei Konzerte der Dresdner Staatskapelle abgesagt. Das Orchester wollte die Auftritte verbinden mit einer Geste der Versöhnung für die Tötung der Ägypterin Marwa al-Scherbini in einem Dresdner Gerichtssaal. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,657165,00.html
Die Reaktion der Ägypter ist ungerecht. Nie ist ein Deutscher auf die Idee gekommen Ägypten kollektiv Fremdenfeindlichkeit vorzuwerfen z. B. 2005 als bei Anschlägen getötete Touristen im Bekennerschreiben als Affen und Schweine beleidigt wurden. Ägypten befindet sich im Mittelalter. Es ist als würde das mittelalterliche Deutschland dem heutigen Deutschland mangelnde Toleranz vorwerfen. Stattdessen wird von Hass auf zu westliche Touristen, auf Minderheiten (Kopten) oder auf Atheisten (Gefängnisstrafe, Opposition fordert Todesstrafe) abgelenkt. Grüsse, Arent
matbhm, 25.10.2009
4. Kein Verständnis!
Ich habe kein Verständnis für die Dresdner Staatskapelle! Dem Irrwitz, mit dem die völlig irrationalen ägyptischen Massen die Wahnsinnstat eines Einzelnen einer ganzen Nation anhängen wollen, ist nicht durch Versöhnungskonzerte zu begegnen, sondern mit dem nachhaltigen Hinweis, dass nicht die Nation, sondern ein Einzelner getötet hat. Wer solche "Versöhnungskonzerte" mitmacht, erweckt den Eindruck, als wolle er Schuld sühnen. Indessen: Es handelt sich um eine Straftat in Deutschland an einer hier lebenden Ägypterin, die durch nichts anderes als die deutsche Strafgerichtsbarkeit zu beurteilen ist. Ich vermute, dass in Ägypten jeden Tag mehr Menschen ebenso erschütternde Schicksale erleiden. Begegnen wir dem irrationalen Wahnsinn einer Nation mit Rationalität! Gegebenenfalls auch um den Preis, dass die Ägypter uns künftig nicht mögen!
Breen 25.10.2009
5. ...
Chronisches muslimisches Beleidigtsein. Braucht es dazu überhaupt noch einen Anlaß? Allein die Existenz von Ungläubigen ist Provokation genug.
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