Fall Ottfried Fischer: Staatsanwaltschaft will härtere Strafe für Reporter

Im Prozess um die Sex-Affäre von Schauspieler Ottfried Fischer wurde ein Journalist wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft und der Reporter fechten die Entscheidung der Richter an. Es geht um eine Bewährungsstrafe oder Freispruch.

Ottfried Fischer: Prozess geht in die nächste Runde Fotos
dapd

München - Das Amtsgericht München hatte den ehemaligen Mitarbeiter der "Bild"-Zeitung wegen Nötigung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs von Ottfried Fischer zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen eine Bewährungsstrafe von acht Monaten sowie eine Geldauflage von 15.000 Euro verlangt - und ficht das Urteil gegen den Journalisten nun an.

Die Sprecherin der Anklagebehörde, Barbara Stockinger, bestätigte am Donnerstag einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Für die vier weiteren Verurteilten sei die Berufung zurückgezogen worden. Auch der Verurteilte selbst hat nach Angaben Stockingers Berufung gegen das Urteil eingelegt. Er wolle freigesprochen werden.

Das Amtsgericht hatte die drei Männer und zwei Frauen vor einem Monat der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs Fischers durch Bildaufnahmen für schuldig bekannt. Zwei Männer und zwei Frauen hatten Fischer heimlich beim Sex mit Prostituierten in seiner Münchner Wohnung gefilmt und das Material zum Verkauf angeboten. Sie hatten im Prozess gestanden und sich bei dem Schauspieler entschuldigt. Als Strafe müssen sie zwischen 600 und 12.000 Euro zahlen.

Der angeklagte ehemalige "Bild"-Redakteur wurde darüber hinaus wegen Nötigung verurteilt und musste mit 14.400 Euro die höchste Geldstrafe der fünf Angeklagten zahlen. Er soll den Schauspieler mit dem Video unter Druck gesetzt und ihn zur Mitarbeit an drei Artikeln bewegt haben. Das Gericht sah die Grenze des legalen Journalismus überschritten. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wäre der Reporter vorbestraft.

Der Verlag der "Bild"-Zeitung, die Axel Springer AG, hatte die Entscheidung hingegen als "falsch und für Journalisten und Verlage absolut nicht hinnehmbar" kritisiert. Zeugen hätten eindeutig ausgesagt, sie hätten sich nicht unter Druck gesetzt gefühlt. Nach Ansicht des Verlags wäre deshalb ein Freispruch die einzig richtige Entscheidung gewesen.

Der an Parkinson erkrankte Fischer hatte das Verfahren als Nebenkläger verfolgt. Ohne das Video, sagte der 56-Jährige als Zeuge, hätte er das Interview wohl nicht gegeben.

siu/dpa/dapd

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Sex, Nötigung und Videos
Pressesprecherin 25.11.2010
Lieber Otti, toll, dass Sie den Mut hatten, vor Gericht zu gehen. Aber jetzt wollen wir die Kirche auch mal im Dorf lassen. Journalisten hinter Gitter zu bringen, macht sich - außer in Diktaturen - irgendwie nicht so gut. Sagen wir mal so: am besten schützen sich Promis vor einer solchen Nötigung, indem es einfach nix Pikantes über sie zu enthüllen gibt. Und dass Sex-Videos nicht geeignet sind, den Ruf in der Öffentlichkeit zu verbessern - geschenkt, oder?
2. ...
motormouth 25.11.2010
Zitat von PressesprecherinLieber Otti, toll, dass Sie den Mut hatten, vor Gericht zu gehen. Aber jetzt wollen wir die Kirche auch mal im Dorf lassen. Journalisten hinter Gitter zu bringen, macht sich - außer in Diktaturen - irgendwie nicht so gut. Sagen wir mal so: am besten schützen sich Promis vor einer solchen Nötigung, indem es einfach nix Pikantes über sie zu enthüllen gibt. Und dass Sex-Videos nicht geeignet sind, den Ruf in der Öffentlichkeit zu verbessern - geschenkt, oder?
Achso, die haben carte blanche und dürfen alles? Erpressen sowieso (wie in Fischers Fall), und meinetwegen (hyothetisch!) auch stehlen, rauben, morden, vergewaltigen und brandschatzen? Passiert ja nix, sind ja Journalisten, die dürfen das - wir sind ja nicht in einer Diktatur!
3. !!
black_dave 25.11.2010
Zitat von sysopIm Prozess um die Sex-Affäre von Schauspieler Ottfried Fischer wurde ein Journalist wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 14.400 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft und der Reporter fechten die Entscheidung der Richter an. Es geht um eine Bewährungsstrafe oder Freispruch. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,731237,00.html
14500 euro reichen als Strafe. Bewährung muss nicht sein.
4. Lass Hirn regnen
Kains Abel 25.11.2010
Zitat von PressesprecherinLieber Otti, toll, dass Sie den Mut hatten, vor Gericht zu gehen. Aber jetzt wollen wir die Kirche auch mal im Dorf lassen. Journalisten hinter Gitter zu bringen, macht sich - außer in Diktaturen - irgendwie nicht so gut. Sagen wir mal so: am besten schützen sich Promis vor einer solchen Nötigung, indem es einfach nix Pikantes über sie zu enthüllen gibt. Und dass Sex-Videos nicht geeignet sind, den Ruf in der Öffentlichkeit zu verbessern - geschenkt, oder?
Sie bringen da einiges durcheinander. Es geht lediglich um eine Bewährungsstrafe. Der gute Mann von der "Bild" ist dann zwar vorbestraft, aber keineswegs "hinter Gittern". Was der Vergleich mit der Diktatur soll, weiß ich nicht. Der Mann ist erstinstanzlich u.a. wegen Nötigung verurteilt worden. Das ist auch für Journalisten strafbar. Auch und erst recht in einer Demokratie. Und ganz nebenbei: Was Herr Fischer oder sonstwer privat treibt, geht weder Sie, mich noch die via "Bild" informierte Öffentlichkeit etwas an.
5. Titelverweigerer
Indigo76 25.11.2010
Ich bin ein großer Verfechter der Pressefreiheit und da kotzen mich Menschen an, die dieses Instrument eines freien Staates auf so schamlose Weise ausnutzen. Acht Monate auf Bewährung? Berufsverbot bis ans Lebensende wäre das einzige, was so eine Karrikatur von einem Menschen in die Schranken weisen würde. In manchen Ländern dieser Erde riskieren Journalisten jeden Tag ihre Karriere und ihr Leben dafür, dass sie die Wahrheit unters Volk bringen. Und wir haben die BILD. So wie sich Islamisten auf die Religionsfreiheit berufen, tun diese Schmierfinkterroristen dasselbe mit der Pressefreiheit. Ekelhaft!
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