Fall Ouri Jallow: Verteidigung fordert Freispruch

Der Asylbewerber Ouri Jallow starb bei einem Feuer in einer Polizeizelle. Die Verteidigung des angeklagten Beamten plädiert vor dem Landgericht Magdeburg auf Freispruch - die Staatsanwaltschaft hatte sich für eine Geldstrafe ausgesprochen.

Magdeburg - Im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Ouri Jallow hat die Verteidigung Freispruch für den angeklagten Polizisten gefordert. Die Vertreter der Nebenklage plädierten vor dem Magdeburger Landgericht auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge durch Unterlassen. Sie forderten aber kein konkretes Strafmaß.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vergangene Woche in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe von insgesamt 6300 Euro wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen gefordert. In dem seit fast zwei Jahren andauernden Prozess soll nun am kommenden Donnerstag das Urteil verkündet werden.

Der aus dem westafrikanischen Sierra Leone stammende Asylbewerber Ouri Jallow war am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle gestorben. Er soll dort eigenhändig mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er gefesselt war. Die Nebenklage, die die Mutter und den Bruder Jallows vertritt, bezweifelt dies. Aus ihrer Sicht könnten auch Dritte das Feuer entzündet haben. Die Staatsanwaltschaft sieht für diese Theorie dagegen keine Hinweise.

Der damalige Dienstgruppenleiter des Polizeireviers Dessau soll auf den Feueralarm laut Anklage nicht schnell genug reagiert haben. Jallow starb binnen zwei Minuten durch die heißen Rauchgase an einem sogenannten Inhalationshitzeschock.

In einem ersten Verfahren vor dem Landgericht Dessau war der angeklagte Polizist freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob den Freispruch später aber wegen erheblicher Lücken in der Beweiskette wieder auf.

wit/AFP/dapd

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