Fall Oury Jalloh Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Oury Jalloh verbrannte vor zwölf Jahren in einer Polizeizelle in Dessau. Bis heute sind die Umstände seines Todes nicht eindeutig geklärt. Dennoch wurde das Todesermittlungsverfahren nun eingestellt.

Bild von Oury Jalloh vor einer Polizeistation in Dessau-Roßlau (Archiv)
DPA

Bild von Oury Jalloh vor einer Polizeistation in Dessau-Roßlau (Archiv)


Der Fall Oury Jalloh wird wohl nie vollständig aufgeklärt werden: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zur Todesursache des Asylbewerbers eingestellt. Jalloh war 2005 in einer Dessauer Polizeizelle bei einem Feuer gestorben. Das 2012 eingeleitete Todesermittlungsverfahren habe "keine ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter an der Brandlegung ergeben", teilte die Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Halle, Heike Geyer, mit. Eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten.

Die Entscheidung sei nach "sorgfältiger Prüfung" aller vorliegenden Erkenntnisse getroffen worden. Die Auswertung der zahlreichen Gutachten lasse nur den Schluss zu, dass der konkrete Ausbruch des Brands, dessen Verlauf und Jallohs Verhalten "nicht sicher nachgestellt und nicht eindeutig bewertet werden können". Auch der von zwei verschiedenen Sachverständigen geleitete Brandversuch vom August 2016 habe keine sicheren Erkenntnisse erbracht.

Erst vor wenigen Monaten hatten die Ermittler in dem Verfahren gewechselt. Im Mai übernahm die Staatsanwaltschaft Halle den Fall und wollte klären, ob Jalloh sich selbst in seiner Zelle anzündete. Das hatte die Polizei nach dem Tod des Asylbewerbers 2005 so angegeben. Allerdings bestehen bis heute Zweifel an den Darstellungen der Beamten. Eine vollständige Aufklärung des Falls hält die Staatsanwaltschaft nun offenbar nicht mehr für möglich.

Gedenkinitiative bezweifelt offizielle Version

"Es bleibt eine Vielzahl von Möglichkeiten denkbar, die zu widerstreitenden, sich teils wechselseitig ausschließenden Darlegungen der in die Auswertung einbezogenen Sachverständigen unterschiedlicher Fachbereiche führen", erklärte die Staatsanwaltschaft ihre Entscheidung mit Bezug auf das Brandexperiment.

Sie verwies zugleich darauf, dass die beteiligten rechtsmedizinischen Sachverständigen davon ausgehen, dass Jalloh bei Brandausbruch lebte. Damit könne nicht ausgeschlossen werden, dass er das Feuer selbst gelegt habe.

Jalloh war am 7. Januar 2005 verbrannt in einer Polizeizelle des Polizeireviers Dessau gefunden worden. Er hatte dort an Händen und Füßen gefesselt auf einer Matratze gelegen. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den damaligen Dienstleiter 2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe, weil er Jalloh besser hätte überwachen müssen. Der Bundesgerichtshof bestätigte 2014 das Urteil, in dem davon ausgegangen wurde, dass der Mann aus Sierra Leone die Matratze selbst angezündet hatte.

Dies wird von einer Jalloh-Gedenkinitiative seit Langem bezweifelt. Sie legte 2015 ein eigenes Gutachten vor, wonach es unwahrscheinlich sei, dass dieser die Matratze selbst hätte anzünden können. Außerdem deutete laut diesem Gutachten vieles auf einen Brandbeschleuniger hin. Dass die Ermittler keine Spuren von Brandbeschleuniger fanden, erklären die Gutachter der Initiative damit, dass diese womöglich vollständig vom Feuer vernichtet wurden.

asc/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.