Verhörprotokolle im Fall Peggy "Was ich an Ihrer Stelle gemacht hätte"

Haben Ermittler Ulvi K. bei seinem Geständnis im Fall Peggy Knobloch beeinflusst? Vor dem Landgericht Bayreuth kommen nach der Verlesung alter Verhörprotokolle Zweifel am Vorgehen der Polizisten auf.

Ulvi K. vor Gericht: Zweifel an Glaubwürdigkeit des früheren Geständnisses
DPA

Ulvi K. vor Gericht: Zweifel an Glaubwürdigkeit des früheren Geständnisses


Bayreuth - Im Wiederaufnahmeverfahren im Mordfall Peggy Knobloch haben sich die Zweifel am Wahrheitsgehalt des früheren Geständnisses des Angeklagten Ulvi K. verstärkt. Der geistig Behinderte hatte in einem ersten Prozess gestanden, 2001 die damals neunjährige Peggy ermordet zu haben. Eine Leiche wurde allerdings nie gefunden.

Vor dem Landgericht Bayreuth wurden nun knapp ein Dutzend Passagen aus alten Verhörprotokollen vorgelesen: Demnach sollen die Ermittler dem 36-Jährigen mehrere Angaben regelrecht in den Mund gelegt haben. Den Aufzeichnungen zufolge wandte sich einer der Ermittler an Ulvi K. und sagte, "was ich an Ihrer Stelle in dieser Situation gemacht hätte".

Erst Jahre nach der Verurteilung von Ulvi K. war aufgefallen, dass sein Geständnis der Tatrekonstruktion der Ermittler verblüffend ähnelt. Daher wird der Fall nun neu aufgerollt. "Ich hatte den Eindruck, er wollte unsere Erwartungshaltung bedienen", sagte dazu ein Beamter nun vor Gericht.

gam/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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ausmisten 15.04.2014
1. und Prof. Kroeber ?
Kann es kaum noch glauben, dass diese "Gutachterkapazitaet" (Fall Kachelmann ,Mollath, Ulvi ...) weiterhin sein Unwesen treiben darf .Was muss noch passieren , bis hier Konsequenzen gezogen werden ? Wieso darf Prof. Kroeber erneut sein Falschachten rechtfertigen und wann wird er seinerseits "begutachtet"?
Holledauer 15.04.2014
2. Nun, der damalige Innenminister in Bayern, Herr Beckstein, wollte schnell einen Täter präsentieren,
und wie man die bayerischen "Verfassungsorgane" kennt, sind sie sehr gehorsam und liefern! Weitere Beispiele sind Herr Mollath und der gefährliche Student aus Regensburg, der so gefährlich war, dass er nur durch ein paar Polizeischüsse in den Rücken zu stoppen war. Tja, mir san eben mir und uns konn koana!
turnbeutelvergesser 15.04.2014
3. In Bayern....
ticken die Uhren halt noch anders; aber wie? Sonderbare Methoden scheinen keine Einzelfälle zu sein (der Landwirt, der angeblich an seine Hunde verfüttert wurde...und Jahre später mitsamt Auto aus dem Fluß gefischt wurde...lauter Geständnisse gab´s da auch)...der Fall Mollath, alte Kamellen wie der Fall Vera Brühne, der Verlauf des Prozesses Uli Hoeneß usw. usf... müssen wir uns etwa Sorgen um den Rechtsstaat Bayern machen??? Oder um das Rechtssystem Bayern??? Kann das mal bitte mal jemand statistisch auswerten, so im direkten Vergleich??? Seehofer, übernehmen Sie!
guteronkel 15.04.2014
4. optional
Hören wir irgendwann einmal, dass einer dieser im Dienste des Staates stehende Mensch bestraft wird? Dass er seine Altersversorgung verliert oder gar in Haft genommen wird?
citi2010 15.04.2014
5. Schlimm, schlimmer, ...?
Aber dann müsste man ja nach der heute 23-jährigen Peggy suchen, und das ist für die Herrschaften dann wohl doch etwas zuviel verlangt. Ich weiss nicht was bei mir überwiegt: (a) Hoffnung: vielleicht ist dieses Mädchen, diese junge Frau also noch am Leben. Was ein Segen wäre. (b) Grauen: die Vorstellung -- falls sie noch am Leben ist -- was für ein Märtyrium sie seit dem in wessen Händen auch immer durchgemacht haben könnte. Jedenfalls liest man nichts von einer erneuten Öffnung der Vermisstenakte. Vielleicht um verdeckt zu handeln? Das wäre schön, allein mir fehlt der Glaube. Ein Geständnis ohne einen corups delicti empfinde ich als höchst zweifelhaft und war selbst im drakonischen karolinischen Recht (Folter etc) nicht erlaubt. Schlimm was hier mal wieder abgegangen ist in Bayern.
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