Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ermittlungen in Lichtenberg: Leichensuche im Fall Peggy bisher erfolglos

Von

Was geschah mit der neunjährigen Peggy Knobloch? Auf der Suche nach der Leiche des 2001 verschwundenen Kindes durchkämmen die Ermittler ein Haus im oberfränkischen Lichtenberg. Doch auch die Untersuchung eines verdächtigen Springbrunnens auf dem Gelände blieb bislang ohne Ergebnis.

DPA

Lichtenberg - Seit zwölf Jahren gilt der Vermisstenfall Peggy Knobloch als Mord ohne Leiche. Die Neunjährige verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Weg von der Schule nach Hause. Ihre Leiche wurde nie gefunden, aber ein mutmaßlicher Mörder: Im April 2004 verurteilte das Landgericht Hof den geistig Behinderten Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Viele in Lichtenberg bezweifeln Ulvi K.s Schuld, einige von ihnen kämpfen um dessen Rehabilitation und gründeten die Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Ulvi K.". Es scheint, als würden die Verschwörungstheorien nicht verstummen, solange keine Leiche gefunden wird.

Entsprechend intensiv wurden die neuesten Ermittlungen verfolgt, als am Montag ein rosafarbenes Haus direkt am Marktplatz von Lichtenberg abgesperrt und durchsucht wurde, ein Bagger vorfuhr und die Pflastersteine im Hinterhof aushob. Von neuen Hinweisen war die Rede und einem möglichen "Leichenablageort". Nur wenige Meter entfernt wohnte Peggy mit ihrer Mutter und deren damaligem Freund.

Verdächtiger Springbrunnenbau

Fotostrecke

21  Bilder
Neue Ermittlungen: Bisher kein Leichenfund im Fall Peggy Knobloch
Der Bewohner des Hauses heißt Robert E., 63. Seinen Name kann man als festen Bestandteil der Ermittlungen im Fall Peggy Knobloch bezeichnen. Robert E. ist ein verurteilter Sexualstraftäter und hat in dem Jahr, in dem Peggy verschwand, seine Enkeltochter und sein Patenkind missbraucht. Die Mädchen kannten Peggy, was in einem 1000-Seelen-Nest wie Lichtenberg jedoch nichts Besonderes sein dürfte.

Nach Peggys Verschwinden soll Robert E., ein gelernter Handwerker, einen Springbrunnen auf seinem Grundstück gebaut haben. Am Dienstag sollte die Deckschicht der Zisterne entfernt werden, damit man den Schacht, die darunterliegende Kanalisation und weitere Hohlräume untersuchen konnte - es wäre ein gutes Versteck für eine Leiche gewesen. Robert E. wurde mit auf die Wache genommen und laut Polizei "eindringlich befragt".

Doch bis zum Nachmittag blieb die Suche nach Peggys Leiche ergebnislos. Die Arbeiten dauern noch an. Momentan würden unter anderem Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks und der Spurensicherung Hohlräume in dem Anwesen prüfen, hieß es. Dabei würden auch Leichenspürhunde eingesetzt.

Kein Zusammenhang mit Peggys Verschwinden

Robert E. wurde im Juni 2008 wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs an den beiden Mädchen, damals sieben und zehn Jahre alt, zu drei Jahren Haft verurteilt. Bereits im Oktober 2007 war im Zuge dieser Ermittlungen sein Anwesen durchsucht worden. Einen Zusammenhang mit Peggys Verschwinden schlossen die Ermittler damals aus.

Wie kam es nun zu den Ermittlungen? Angeblich haben sie nichts mit dem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zu tun, den der Anwalt von Ulvi K. Anfang April gestellt hat, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Vielmehr basierten die aktuellen Grabungen und Durchsuchungen auf Hinweisen, die bereits im Juli 2012 eingegangen seien, sagte ein Ermittler der damaligen Sonderkommission.

Der Leitende Oberstaatsanwalt, Ernst Schmalz, war bisher für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch sonst sind die Auskünfte der Staatsanwaltschaft Bayreuth zu dem Fall dürftig. Es mag daran liegen, dass Schmalz nicht nur Leitender Oberstaatsanwalt in diesem Verfahren ist, sondern gleichzeitig Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bayreuth und vertretender Behördenleiter - und mit dieser Dreifachbelastung womöglich überfordert. Kein anderer Sprecher war in der Lage, Anfragen zu beantworten.

"Wer hat schon Interesse, eigene Fehler aufzudecken?"

In Lichtenberg heißt es, Robert E.s Ehe sei gescheitert, einige Verschwörungstheoretiker vermuten nun, die Ehefrau habe nach der Trennung der Staatsanwaltschaft Hinweise gegeben, die die Untersuchungen am Marktplatz ausgelöst haben - "wahrscheinlich aus Rache".

Allzu große Hoffnungen machen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Ulvi K." allerdings nicht. "Es geht nicht darum, einen neuen Täter zu finden", betonte Gründungsmitglied Karl-Heinz Hörteis, "sondern darum nachzuweisen, dass es der Ulvi nicht war und nicht gewesen sein kann. Allein deshalb werden zumindest die Behörden in diesem Fall keine neuen Spuren finden. Wer hat schon Interesse, eigene Fehler aufzudecken?"

Ulvi K. hatte in Lichtenberg Kinder sexuell missbraucht, seine Mutter zeigte ihn deshalb an. Das Landgericht Hof war überzeugt, dass auch Peggy Knobloch Opfer seiner Übergriffe geworden war. Aus Angst, sie könne ihn verraten, soll Ulvi K. das Mädchen getötet haben. Der Bundesgerichtshof verwarf im Januar 2005 die Revision der Verteidigung.

Der heute 36-Jährige ist in einer geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses in Bayreuth untergebracht, seine lebenslange Strafe wegen Mordes trat er formal nicht an. Er hat einen IQ von 67, kann kaum lesen und schreiben. Sein Entwicklungsstand ist mit dem eines reifeverzögerten Zehnjährigen vergleichbar. Er wickelt Kabel, faltet Kartons und freut sich über den regelmäßigen Besuch seiner Eltern, die noch immer in Lichtenberg wohnen.

Die Ermittlungen, die zur Festnahme und zur Verurteilung Ulvi K.s führten, leitete die Staatsanwaltschaft Hof. Nun führen die Bayreuther Fahnder die Ermittlungen - unter der Leitung von Oberstaatsanwalt Schmalz, der selbst Staatsanwalt in Hof gewesen sein soll, als der Fall Peggy Knobloch für Furore sorgte. Man hätte ihn auch dazu gern befragt.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: