Fall Stephanie: Angekettet und über 100 Mal vergewaltigt

Ihr Fall bewegte ganz Deutschland: Fünf Wochen war die Dresdner Schülerin Stephanie in der Gewalt eines Sextäters. Dann konnte sie mit Hilfe von Zetteln, die sie heimlich fallen ließ, befreit werden. Jetzt hat die 13-Jährige erstmals über ihr Martyrium gesprochen.

Hamburg - Der arbeitslose Mario M. habe sie in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung im Dresdner Stadtteil Striesen mehr als 100 mal vergewaltigt, darüber hinaus noch zig Mal schwer sexuell missbraucht und sie gezwungen, sich immer wieder filmen zu lassen, berichtete Stephanie Rudolph dem SPIEGEL. Der bereits wegen Vergewaltigung einer 14-Jährigen vorbestrafte M. habe zudem im Laufe der fünfwöchigen Geiselhaft im Januar und Februar geäußert, ein Kind mit ihr bekommen und sein weiteres Leben mit ihr verbringen zu wollen.

Stephanies Zettel: Heimliche Hilferufe
DDP

Stephanies Zettel: Heimliche Hilferufe

Für den Fall, dass sie sich bemerkbar machen wolle, habe er ihr gedroht, ihr "die Luft abzudrücken". Außerdem habe er sie mit der Ankündigung eingeschüchtert, selbst aus dem Gefängnis heraus könne er später noch einen Auftragskiller auf sie ansetzen, sollte sie ihn verraten. Wenn M. die Wohnung verlassen habe, habe er sie zumeist in einer nur ein Meter langen Kiste eingesperrt.

Er habe sie oft an Ringe gekettet, die er in eine Wand eingelassen hatte. Stephanie Rudolph hatte die Polizei auf die Spur des Täters lenken können, indem sie nachts bei Spaziergängen heimlich Zettel mit Hilferufen fallen ließ.

Der Entführer hatte bereits zwei frühere Freundinnen nach deren Angaben vergewaltigt, was Mario M. aber bestritten haben soll. Seine erste Freundin berichtete dem SPIEGEL, M. habe sie beinahe zu Tode gewürgt. In allen Fällen hatten die Frauen sich anschließend nicht an die Polizei gewandt.

Dagegen hatte die erste Freundin nach der Trennung Anzeige erstattet, weil Mario M. in ihre Wohnung eingedrungen sein und mit einem Gasrevolver auf sie geschossen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte das nachfolgende Ermittlungsverfahren gegen M. jedoch im März 1992 mit der Begründung eingestellt, es gebe "kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung".

Mario M. hat sich unterdessen über seinen Anwalt bei der Familie Rudolph entschuldigt.

als

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback