Fall Stephanie: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe und Sicherungsverwahrung

Die Staatsanwältin hat im Stephanie-Prozess 14 Jahre und neun Monate Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. Als strafmildernd wertete sie das Geständnis von Mario M. und dessen Persönlichkeitsstörung. M. selbst sagte: "Ich möchte lernen, niemals wieder jemandem wehzutun."

Dresden - Der vorbestrafte Sexualstraftäter habe sich der Geiselnahme, Kindesentziehung sowie der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen schuldig gemacht, sagte Staatsanwältin Liane Pospischil heute vor dem Landgericht Dresden. Die Taten hätten "eine Dokumentation der Macht" sein sollen. M. habe die damals 13-Jährige "fast wie einen Hund gehalten".

Als strafmildernd wertete Pospischil das Geständnis des Angeklagten sowie dessen diagnostizierte schizoide Persönlichkeitsstörung. Zur Last legte sie M. vor allem die Brutalität der Taten. Es sei davon auszugehen, dass M. ohne entsprechende Therapie wieder solche Taten begehen werde, sagte die Staatsanwältin mit Blick auf die beantragte Sicherungsverwahrung. Als Vertreter der Nebenklage forderte der Anwalt Ulrich von Jeinsen, die Höchststrafe von 15 Jahren voll auszuschöpfen und Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Die Verteidigung hat kein konkretes Strafmaß für den Angeklagten Mario M. beantragt, macht aber eine Beeinträchtigung von dessen Steuerungsfähigkeit geltend. Der Rechtsanwalt Andreas Boine wies auf die vom Gutachter festgestellte psychische Störung des 36-Jährigen hin. Er bat das Gericht, das Geständnis des Angeklagten strafmildernd zu berücksichtigen.

Mario M. selbst äußerte Bedauern über seine Tat: "Was ich getan habe, tut mir Leid, und ich möchte Stephanie und ihre Eltern um Verzeihung bitten." Er hoffe, dass die heute 14-Jährige keine schweren Schäden davontrage und das Geschehene aufarbeiten könne, sagte der Angeklagte. "Ich möchte lernen, niemals wieder jemandem wehzutun", fügte er hinzu.

M. wird vorgeworfen, die Dresdner Schülerin Stephanie am 11. Januar nach langer Planung auf dem Schulweg heimtückisch in seine Gewalt gebracht und in seine Wohnung verschleppt zu haben. Stephanie war erst nach 36 Tagen freigekommen. Zeitweise wurde das Mädchen geknebelt in eine enge Holzkiste gesperrt. Der Angeklagte soll Stephanie täglich auf brutale Weise missbraucht und vergewaltigt haben. Einen Teil der Taten hat der arbeitslose Anlagenbauer auf Video aufgezeichnet.

Zu Prozessbeginn am 6. November hatte M. unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das Urteil soll am Donnerstag fallen.

ffr/ddp/AP

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