Fall Stephanie Tatverdächtiger gesteht Mord nach 26 Jahren

1991 soll er sie missbraucht und von einer Brücke geworfen haben: Nach seiner Festnahme hat ein 65-jähriger Lkw-Fahrer den Mord an Stephanie eingeräumt. Die neuen Möglichkeiten der DNA-Untersuchung überführten ihn.

Polizeibeamtin bei der Pressekonferenz in Jena
DPA

Polizeibeamtin bei der Pressekonferenz in Jena


Der Mann, der im Fall Stephanie festgenommen wurde, hat laut Polizei und Staatsanwaltschaft die Tötung des Mädchens gestanden. Der 65-jährige Lastwagenfahrer soll sie auch sexuell missbraucht haben, ehe er sie tötete. Mit dem Mord habe er den Missbrauch vertuschen wollen.

Das gute Gespür einer Ermittlerin, neue Methoden zur DNA-Analyse und moderne Computertechnik führten die Thüringer Polizei nach fast 27 Jahren zum mutmaßlichen Mörder der damals zehnjährigen Stephanie aus Weimar.

"Insgesamt gesehen war es eine Puzzlesteinarbeit, wie ich sie noch nie erlebt habe", sagte der Polizeichef in Jena, Thomas Quittenbaum. Die Ermittler sind sicher, dass ein 65-Jähriger aus Berlin das Kind getötet hat.

Spezialkräfte der Polizei hatten den einschlägig vorbestraften Mann am Sonntag in Berlin festgenommen. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte seine Wohnung, wie der Leiter der zuständigen Sonderkommission, Andreas Gerstenberger, berichtete. Der Verdächtige habe die Polizisten mit einer Eisenstange angegriffen, bei dem Handgemenge sei er leicht verletzt worden. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

"Stephanie wäre jetzt eine junge Frau, in der Mitte ihres Lebens", sagte Quittenbaum zu Beginn der Pressekonferenz, bei der die Polizei und ein Vertreter der zuständigen Staatsanwaltschaft Gera den bisherigen Stand ihrer Erkenntnisse präsentierten. Die Leiche der Schülerin war 1991 unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4, etwa 20 Kilometer östlich von Jena, entdeckt worden. Sie war offenbar von der Brücke geworfen worden.

Teufelstalbrücke bei Jena
Landespolizeiinspektion Jena

Teufelstalbrücke bei Jena

Der nun festgenommene Tatverdächtige sei im Raum Weimar aufgewachsen und kurz vor der Wende nach Berlin gezogen. Das Landgericht Gera habe den Mann 1996 wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern bereits zu einer mehrjährigen Haft verurteilt, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Gera, Thomas Villwock. Die Strafe habe der Beschuldigte auch abgesessen.

Dass die Tat nun offenbar aufgeklärt werden konnte, geht auf die Sonderkommission "Altfälle" zurück. In ihr arbeitet die Thüringer Polizei seit Ende 2016 drei damals ungeklärte Kindermorde im Raum Jena aus den Neunzigerjahren neu auf. Die Soko war eingesetzt worden, nachdem am Fundort der in Franken getöteten Schülerin Peggy eine DNA-Spur des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Sie stellte sich jedoch als falsch heraus.

An den beiden anderen Fällen arbeite die Soko nun weiter, sagte Quittenbaum.

cop/dpa



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