Vorwurf der Freiheitsberaubung im Fall Susanna F. Elf Beamte im Visier

Es geht um den Vorwurf der Freiheitsberaubung: Die Rückführung des mutmaßlichen Mörders der 14-jährigen Susanna F. hat möglicherweise juristische Folgen für mehrere Polizisten.

Mordverdächtiger Ali B.
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Mordverdächtiger Ali B.


Die umstrittene Rückholaktion des mutmaßlichen Mädchenmörders Ali B. hat offenbar nicht nur für Bundespolizeichef Dieter Romann ein juristisches Nachspiel, sondern auch für zehn weitere Beamte. Wie die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mitteilte, richtet sich der Vorwurf der Freiheitsberaubung gegen alle Polizisten, die an der Operation beteiligt waren.

Nach SPIEGEL-Informationen waren an Bord der Lufthansamaschine von Erbil nach Frankfurt fünf Beamte der Spezialeinheit GSG9, darunter eine Polizeiärztin, drei bewaffnete Sky-Marshals sowie zwei Mitarbeiter aus Romanns Leitungsstab.

Ali B., der unter Verdacht steht, die 14-jährige Susanna F. ermordet zu haben, war von kurdischen Sicherheitskräften im Nordirak festgenommen und ohne Auslieferungsverfahren nach Deutschland gebracht worden. Den Vorwurf der Freiheitsberaubung im Amt hat Romann bereits im Juni vor dem Innenausschuss des Bundestags als "unerhört" zurückgewiesen.

Ali B. sei von den Kurden nicht ausgeliefert, sondern abgeschoben worden. Er sei zudem während des Fluges nicht gefesselt gewesen und freiwillig an Bord geblieben. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Romann gewähren lassen und dem Bundespolizeichef nach der Aktion den Rücken gestärkt. Die nun aufgenommenen Ermittlungen wollte die Bundesregierung nicht kommentieren.

Mehrere Anzeigen gegen Romann

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte am Donnerstag bestätigt, dass sie gegen Bundespolizeichef Romann ermittelt, weil er den Mordverdächtigen Ali B. möglicherweise illegal nach Deutschland gebracht hat. Es sei ein Verfahren wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung eingeleitet worden. Zuerst hatte der Südwestrundfunk (SWR) darüber berichtet.

Die 14-jährige Susanna aus Mainz wurde nach bisherigen Erkenntnissen im Mai in Wiesbaden vergewaltigt und umgebracht. Ali B. gestand bei seiner Vernehmung, das Mädchen umgebracht zu haben, bestritt aber eine Vergewaltigung. Die Rückholaktion aus dem Nordirak stieß auf Skepsis von Rechtsexperten und auf Kritik der irakischen Zentralregierung, da es laut Bagdad kein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und Deutschland gibt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft liegen mehrere Anzeigen gegen Romann vor. Zuvor hatten die Staatsanwaltschaften in Wiesbaden und Potsdam den Fall geprüft und sich für nicht zuständig erklärt. Frankfurt ist nun zuständig, weil das Flugzeug, mit dem Ali B. nach Deutschland zurückgebracht wurde, in der Stadt gelandet ist. Ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums wies den Vorwurf der Freiheitsberaubung am Donnerstag erneut zurück.

Anmerkung: In einer vorherigen Version hieß es, Frankfurt sei zuständig, weil es sich bei dem Flugzeug, mit dem Ali B. nach Deutschland zurückgebracht wurde, um eine Lufthansa-Maschine handelte und die Airline ihren faktischen Unternehmenssitz in Frankfurt hat. Die Stadt ist aber durch die Landung in der Stadt zuständig geworden. Wir haben die Stelle korrigiert.

red/dpa

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