Fall Trayvon Martin: Todesschütze verklagt TV-Sender

Die tödlichen Schüsse auf einen schwarzen Teenager in Florida befeuerten die Rassismusdebatte in den USA. Angeklagt ist George Zimmermann. Er klagt jetzt gegen den TV-Sender NBC - der soll ein wichtiges Beweisdokument absichtlich verfälscht ausgestrahlt haben.

George Zimmerman: Kläger gegen NBC, Angeklagter im Mordprozess Zur Großansicht
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George Zimmerman: Kläger gegen NBC, Angeklagter im Mordprozess

Orlando - George Zimmerman fühlt sich vom TV-Sender NBC als Rassist verunglimpft. Der Mann, angeklagt wegen Mordes an dem Teenager Trayvon Martin, hat deswegen Klage eingereicht. Zimmerman fordert von NBC eine Geldsumme in nicht bekannter Höhe.

Streitpunkt ist ein Anruf Zimmermans bei der Notrufzentrale wenige Momente vor dem tödlichen Schuss.

Zimmerman: "Dieser Typ sieht so aus, als habe er nichts Gutes im Sinn."

Zentrale: "Ist er schwarz, weiß, lateinamerikanisch?"

Zimmerman: "Er sieht schwarz aus."

NBC schnitt aus dem Gespräch die Frage der Zentrale heraus - und spielte die geschnittene Version im April den Zuschauern der "Today"-Show vor. NBC-Chef Steve Capus teilte bereits damals mit, das Herausschneiden der Frage sei ein Fehler, aber nicht absichtlich geschehen. Bei Kontrollen vor der Veröffentlichung sei das Problem nicht bemerkt worden. Drei Mitarbeiter wurden deswegen entlassen, NBC bat seine Zuschauer um Entschuldigung.

Die Klage Zimmermanns hält NBC jedoch für unbegründet. "Es gab keine Absicht, ein unfaires Bild von Herrn Zimmerman zu zeichnen", sagte eine Sprecherin. "Wir werden unsere Position vor Gericht vehement verteidigen."

"Gelegenheit, die Quoten zu steigern"

Der Klageschrift zufolge fügte der Beitrag Zimmerman tiefes Leid zu. Weil er als Rassist dargestellt worden sei, fürchte er um sein Leben, leide unter Schlaflosigkeit und Angstzuständen. "NBC sah Trayvon Martins Tod nicht als Tragödie, sondern als Gelegenheit, die Quoten zu steigern", heißt es in dem Dokument. Ein Klischee von Zimmerman als Rassist und Bösewicht sei von NBC mittels einer Aussage in die Welt gesetzt worden, die Zimmerman so nie gemacht habe. Zudem habe sich der Sender nie bei Zimmerman entschuldigt.

"Wenn man sich die Aufnahme im Original anhört und mit der Version vergleicht, die ausgestrahlt wurde, muss man annehmen, dass Absicht dahintersteckte", sagte Zimmermans Anwalt Mark O'Mara. Der Sender habe seinen Mandanten schneller als die Konkurrenz als Rassist abstempeln wollen.

Die Klage wurde im Seminole County bei Orlando eingereicht - beim selben Gericht, in dem Zimmerman ab Juni 2013 der Prozess wegen Mordes an Martin gemacht werden soll. Die Anklage wirft dem Schützen vor, den schwarzen Teenager aus rassistischen Motiven erschossen zu haben.

Zimmerman hat gestanden, Martin am 26. Februar erschossen zu haben, hat allerdings auf nicht schuldig plädiert und beruft sich auf Notwehr und Floridas "Stand Your Ground"-Gesetz. Dieses gibt Bürgern in dem Bundesstaat das Recht zu schießen, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen. Nach dem Tod Martins hatte es in den USA eine heftige Debatte über Rassismus und das Waffenrecht gegeben.

ulz/AP/Reuters

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