Todesschütze im Fall Trayvon Martin: Freiheit auf Kaution

Von , Washington

Es war sein erster Auftritt in der Öffentlichkeit: Zehn Tage nach seiner Verhaftung entschied ein Gericht in Florida, dass George Zimmerman freikommen kann - wenn er eine Kaution von 150.000 Dollar aufbringt. Der 28-Jährige bat die Eltern seines Opfers Trayvon Martin um Entschuldigung.

George Zimmerman: 150.000 Euro Kaution Fotos
REUTERS

Seine Stimme war sanft und leise, so ganz anders, als man es erwartet hätte. "Ich wollte sagen, dass es mir leid tut, dass Sie Ihren Sohn verloren haben", sagte er. "Ich wusste nicht, wie alt er war. Ich dachte, er sei ein kleines bisschen jünger als ich. Und ich wusste nicht, ob er bewaffnet war oder nicht."

Es war eine Stimme, auf die Amerika seit Ende Februar gewartet hatte: Die Stimme George Zimmermans - der Mann, der in Florida den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hat. Der Fall hat die USA tief gespalten, hat landesweite Proteste ausgelöst und eine neue Rassendebatte losgestoßen. Doch George Zimmerman schwieg. Bis Freitag.

Da erschien er im Verhandlungssaal 5D des Criminal Justice Centers in Sanford, dem Ort, in dem Martin starb und der zum Brennpunkt des Falls geworden ist. Zimmerman - der nach der Tat zunächst 44 Tage lang untertauchte - sitzt seit voriger Woche in Haft, angeklagt wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz. Jetzt sollte das Gericht entscheiden, ob er zumindest auf Kaution vorläufig freikommen kann.

Entschuldigung bei Martins Eltern

So eine Anhörung ist Routine im US-Justizwesen. Doch in diesem Fall war sie alles andere als das. Das Spektakel wurde live im amerikanischen Fernsehen übertragen, als Vorgeschmack auf den Sensationsprozess, der folgen wird. Und dann trat Zimmerman völlig überraschend persönlich in den Zeugenstand.

Er trug einen grauen, schlechtsitzenden Anzug, ein weißes Hemd und eine silberne Krawatte. Seine Hände und Füße lagen in eisernen Ketten, die um den Anzug gewickelt waren. Sein müdes Gesicht war glattrasiert, der Bart, den er bei seinem letzten Gerichtsauftritt vor einer Woche getragen hatte, verschwunden.

Zimmerman blickte nach vorne, in die Richtung von Richter Kenneth Lester. Doch seine Worte galten den Eltern Trayvon Martins, Sybrina Fulton und Tracy Martin, die hinter ihm im Gerichtssaal saßen. Dass er sich bei denen zum ersten Mal seit der Tat entschuldigte, rührte die wenig: Zimmerman habe ihnen das auch am Donnerstagabend schon angeboten, sagte ihr Anwalt Benjamin Crump auf NBC, doch sie hätten es als leere Geste abgelehnt.

Zuvor hatten Zimmermans Eltern und seine Ehefrau Shellie Zimmerman per Telefon ausgesagt. Die Krankenpflegeschülerin - deren Existenz in der Öffentlichkeit bisher völlig unbekannt war - sagte, sie sei seit fünf Jahren mit Zimmerman verheiratet. "Er ist absolut keine gewalttätige Person oder eine Gefahr für die Allgemeinheit", beteuerte sie. Auf mehrere frühere Auseinandersetzungen Zimmermans mit der Polizei angesprochen, sagte die Frau, Zimmerman habe stets in Notwehr gehandelt.

"Ich habe ihn nie als gewalttätig gekannt"

Shellie Zimmerman zeigte sich außerdem besorgt um ihre Sicherheit: Zimmerman habe seit der Tat viele Morddrohungen bekommen. "Alles, was meinem Ehemann zustößt", sagte sie, "ist eine persönliche Bedrohung für mich."

Zimmermans Vater Robert erklärte, dass die Familie kaum für eine hohe Kaution aufkommen könnte. "Ich bin ein behinderter Kriegsveteran", sagte er. "Ich habe kein hohes Einkommen." Seine Ehefrau sei Rentnerin, und ihr Haus sei mit einer Hypothek belastet. Auch Robert Zimmerman verbürgte sich für seinen Sohn: "Ich habe ihn nie als gewalttätig gekannt", sagte er, fügte dann aber sofort hinzu: "Es sei denn, er wurde provoziert, und dann hielt er die andere Wange hin." Ähnlich äußerte sich Zimmermans Mutter Gladys Zimmerman: Ihr Sohn kümmere sich auch immer um Obdachlose und Kinder.

Nach fast zweieinhalb Stunden legte Richter Lester die Kaution schließlich auf 150.000 Dollar fest, das Zehnfache dessen, um das die Verteidigung gebeten hatte. Zimmerman - der zumindest am Freitag aber noch nicht freikommen sollte - müsse außerdem elektronische GPS-Fußfesseln tragen und dürfe weder Kontakt zur Familie von Trayvon Martin aufnehmen noch Alkohol oder Waffen besitzen.

Zimmermans Anwalt Mark O'Mara berichtete anschließend, sein Mandant habe sich gegen seinen ausdrücklichen Rat im Gerichtssaal bei Martins Eltern entschuldigt. "Er wollte es sagen", sagte er. "Ich finde, es hätte in einem privaten Umfeld geschehen sollen. Wir haben es versucht, und es wurde uns nicht gewährt."

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insgesamt 61 Beiträge
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1.
callistonairi 20.04.2012
steht das denn schon fest?
2.
Rubeanus 20.04.2012
Heute wurden übrigens auch Bilder bekannt, welche kurz nach dem Vorfall aufgenommen wurden und welche den Hinterkopf von Zimmerman mit zwei stark blutenden Wunden zeigen. Das hätte man in dem Artikel auch ruhig mal erwähnen dürfen.
3. 2000 Amerikaner nahmen
friedenspfeife 20.04.2012
Zitat von sysopZehn Tage nach seiner Verhaftung kann er wieder auf freien Fuß kommen: Ein Gericht in Florida hat entschieden, George Zimmerman freizulassen - wenn er eine Kaution von 150.000 Dollar aufbringt. Der 28-Jährige muss sich wegen Mordes an dem schwarzen Teenager Trayvon Martin verantworten. Fall Trayvon Martin: Zimmerman kann gegen Kaution freikommen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,828805,00.html)
an der Online Umfrage teil. 1997 Schwarze und 3 Weisse oder wie?
4. Fuer die Schwarzen steht
friedenspfeife 20.04.2012
Zitat von callistonairisteht das denn schon fest?
das schon lange fest.
5. Die Wunden hat er sich
friedenspfeife 20.04.2012
Zitat von RubeanusHeute wurden übrigens auch Bilder bekannt, welche kurz nach dem Vorfall aufgenommen wurden und welche den Hinterkopf von Zimmerman mit zwei stark blutenden Wunden zeigen. Das hätte man in dem Artikel auch ruhig mal erwähnen dürfen.
selbstverstaendlich spaeter selbst zugefuegt. Welch ein 17 jaehriges Kind koennte schon so .......
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