Washington - Richterin Jessica Recksiedler zieht sich vom Fall Trayvon Martin zurück. Sie hält sich für befangenen und hat das Verfahren deshalb an ihren Kollegen Kenneth Lester abgegeben, teilten die Behörden im US-Bundesstaat Florida am Mittwoch mit. Recksiedler traf ihre Entscheidung, nachdem die Verteidigung des Todesschützen gefordert hatte, die Richterin müsse von dem Fall abgezogen werden - weil ihr Ehemann als Rechtsexperte für den Sender CNN über den Fall berichtet.
Zwar seien die von der Verteidigung vorgebrachten Gründe "rechtlich unzureichend", die Gesamtumstände in dem Fall reichten aber aus, um diesen wegen Befangenheit abzugeben, erklärte Recksiedler. Am 29. Mai soll die Anklage gegen den Todesschützen George Zimmerman verlesen werden. Die Anklage lautet auf Mord.
Zimmerman hatte Ende Februar in Sanford in Florida den 17-jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin erschossen. Das Mitglied einer Bürgerwehr gab an, in Notwehr gehandelt zu haben. Der Jugendliche, der sich nach einem Einkauf in einem bewachten Wohngebiet auf dem Heimweg befand, war jedoch unbewaffnet.
Der Fall Trayvon Martin spaltet die Nation - das zeigen auch neue Umfragen. Eine deutliche Mehrheit von 91 Prozent der Afroamerikaner glauben, dass Trayvon Martin klares Unrecht widerfahren ist. Nur ein Drittel der weißen Bevölkerung stimmt dem zu, wie es in der Online-Umfrage von Reuters/Ipsos heißt, an der 2000 Amerikaner teilnahmen.
Der Tod des Teenagers hat eine landesweite Welle der Empörung ausgelöst, vor allem, da von möglichen rassistischen Motiven die Rede war. In der Debatte geht es auch um laxe Waffengesetze. Sogar Präsident Barack Obama hatte sich dazu geäußert und bezeichnete den Fall als "Tragödie". Grund der Proteste war auch, dass die örtliche Polizei zunächst nicht gegen Zimmerman ermittelt hatte.
wit/AFP
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