Todesschütze Zimmerman Anwälte zeigen Video von Tatortbegehung

Was geschah in Sanford, Florida? Die Anwälte von George Zimmerman haben nun die Vernehmungen ihres Mandanten veröffentlicht. Darin beschreibt der angeklagte Nachbarschaftswächter, wie er angeblich von Trayvon Martin angegriffen wurde. Und den Teenager dann erschoss.

REUTERS/GZLEGALCASE.COM

Hamburg - George Zimmerman trägt ein weißes Polohemd und eine Kaki-Hose, zwei Plaster an seinem Hinterkopf, eines auf der Nase. Gemeinsam mit Polizeibeamten geht er durch die umzäunte Nachbarschaft in Sanford, Florida - genau dort, wo er einen Tag zuvor den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschossen hatte.

Zimmerman erklärt seine Version der Tat, erzählt wie Martin ihn angegriffen und seinen Kopf auf den Boden geschlagen habe, wie der Teenager nach Zimmermans Waffe gegriffen habe und angeblich sagte: "Du wirst heute sterben". Da habe er selbst die Pistole gegriffen und geschossen.

Die Bilder stammen aus einem Video, das Zimmermans Anwälte gemeinsam mit vielen anderen Vernehmungsprotokollen auf ihrer Website veröffentlicht haben. Das Material gibt einen detaillierten Einblick, wie der Todesschütze die Ereignisse am 26. Februar unmittelbar nach der Tat beschrieb.

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Tod von Trayvon Martin: Der Fall Zimmerman
Zimmerman sagt den Ermittlern, er habe aus Todesangst geschossen. Er habe Martin für verdächtig gehalten und die Verfolgung aufgenommen. Als er davon abgelassen habe und zu seinem Auto zurückgekehrt sei, sei der Teenager plötzlich aus der Dunkelheit auf ihn zugekommen und habe gefragt: "Hast du ein Problem?" Als Zimmerman dies verneint habe, habe Martin geantwortet: "Jetzt hast du eins!" Dann sei er angegriffen worden.

Sogar Obama schaltete sich ein

Die Polizei hatte Zimmern nach der Tat in Gewahrsam genommen und dann wieder laufen lassen. Sie berief sich dabei auf ein Gesetz, das den Bürgern in Florida das Recht zu schießen gibt, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen. Trayvon Martin, der sich auf dem Weg von einem Einkauf nach Hause befand, war allerdings unbewaffnet.

Der Tod des afroamerikanischen Jugendlichen führte zu einer aufgeheizten Debatte über Rassismus, in die sich auch Präsident Barack Obama einschaltete. Nach heftigen Protesten nahm die Justiz Zimmerman schließlich wieder fest.

In seiner Vernehmung wurde Zimmerman auch gefragt, ob es für ihn dasselbe gewesen wäre, wenn der Mann, den er für verdächtig hielt, weiß gewesen wäre. "Ja", sagt Zimmerman. Genau das bezweifeln seine Gegner jedoch.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Zimmerman: Mord mit bedingtem Vorsatz - "Second-Degree Murder", auch kurz "Murder Two" genannt. Zimmerman plädiert auf nicht schuldig, bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Er kam zunächst gegen Kaution frei, wurde aber Anfang Juni wieder inhaftiert. Wie sich herausstellte, hatten er und seine Frau falsche Angaben zu ihrem Vermögen gemacht. Zuletzt wurde auch noch der Polizeichef von Sanford entlassen.

hut/AFP/AP



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