Zimmerman-Freispruch: Geschworene distanzieren sich von Kollegin B-37

Urteil im Fall Trayvon Martin: Proteste gegen Freispruch Fotos
REUTERS

George Zimmerman hat den Jugendlichen Trayvon Martin erschossen - und wurde freigesprochen. Nun haben sich vier Geschworene von den Äußerungen einer Jury-Kollegin distanziert: Sie hatte in einem Interview gesagt, Zimmerman habe kein Gesetz gebrochen.

Orlando - Sechs Geschworene haben George Zimmerman am vergangenen Wochenende für unschuldig erklärt, er war wegen des Todes von Trayvon Martin angeklagt, eines unbewaffneten schwarzen Jugendlichen. Das Jury-Mitglied B-37 äußerte sich anschließend anonym in einem CNN-Interview zu dem Fall - und sagte dabei unter anderem, sowohl Zimmerman als auch Martin hätten zu dem Unglück beigetragen. Die Hautfarbe habe bei dem Fall keinerlei Rolle gespielt, der Angeklagte habe zudem kein Gesetz gebrochen.

B-37 war bisher das einzige Mitglied der rein weiblichen Jury, das sich zu dem Fall geäußert hat. Sie wollte kurzzeitig sogar ein Buch über den Prozess schreiben. Doch nach ihrem CNN-Interview meldeten sich nun vier weitere Geschworene zu Wort - um sich von den Äußerungen ihrer Kollegin zu distanzieren.

Die Ansichten von B-37 seien nicht repräsentativ und entsprächen nicht ihren eigenen, heißt es in einer Mitteilung. Der Tod von Martin belastet die vier Geschworenen ihren eigenen Angaben zufolge sehr, der Prozess sei extrem anstrengend für sie gewesen. Aber: "Wir haben getan, was das Gesetz verlangt." Die Mitteilung wurde von den Mitgliedern B-51, B-76, E-6 und E-40 unterzeichnet. Das Gericht hat die Namen der sechs Frauen in der Jury bisher nicht veröffentlicht.

Zimmerman hatte den 17-jährigen Martin am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford nahe Orlando (Florida) erschossen. Der unbewaffnete Teenager befand sich auf dem Heimweg von einem Einkauf, wurde von dem Nachbarschaftswächter aber für einen Einbrecher gehalten. Zimmerman beteuerte, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Die Geschworenen glaubten dem 29-Jährigen und sprachen ihn frei.

Diese Entscheidung sorgt auch Tage nach dem Urteil noch für zahlreiche Proteste. Afroamerikanische Bürgerrechtsaktivisten wollen mit einer landesweiten Protestwelle auf einen neuen Prozess für den Todesschützen des schwarzen Teenagers Martin dringen. "Das ist eine soziale Bewegung für Gerechtigkeit", sagte der Geistliche Al Sharpton, eine der Führungsfiguren der Afroamerikaner in den USA. "Menschen im ganzen Land werden sich versammeln, um zu zeigen, dass wir nicht nur einen Zwei- oder Drei-Tage-Wutanfall haben."

US-Justizminister Eric Holder legt sich weiterhin nicht auf eine erneute Anklage gegen Zimmerman fest. In einer Rede vor dem afroamerikanischen Verband NAACP sagte Holder, er sei besorgt über den Fall. Es sei an der Zeit, Gesetze in Frage zu stellen, "die sinnlos das Konzept der Selbstverteidigung ausweiten und damit den Boden für gefährliche Konflikte in unseren Gemeinden bereiten". Solche Gesetze würden eher zur Gewalt beitragen, als diese zu verhindern.

Holder, selbst Afroamerikaner, bezog sich dabei auf die "Stand Your Ground"-Regelung, die auch in Florida gilt: Demnach müssen Bürger, die sich von einem Gewaltverbrechen bedroht sehen, nicht versuchen, der Gefahr aus dem Wege zu gehen. Sie dürfen sich mit allen Mitteln wehren - bis hin zur Tötung des mutmaßlichen Angreifers. Die Verteidigung hatte sich im Zimmerman-Prozess zwar nicht ausdrücklich auf diese Regelung berufen, dennoch spielte sie nach Einschätzung von Rechtsexperten beim Freispruch eine Rolle.

Der amerikanische Sänger Stevie Wonder will wegen des Notwehrgesetzes den US-Staat Florida künftig boykottieren, wie das Onlineportal "Hollywood Reporter" berichtet. Er werde dort nicht mehr auftreten, solange die "Stand Your Ground"-Regelung nicht abgeschafft werde.

aar/AP/Reuters

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1. Unklar
Izmi 17.07.2013
Zitat von sysopREUTERSGeorge Zimmerman hat den Jugendlichen Trayvon Martin erschossen - und wurde freigesprochen. Nun haben sich vier Geschworene von den Äußerungen ihrer Jury-Kollegin distanziert: Sie hatte in einem Interview gesagt, Zimmerman habe kein Gesetz gebrochen. Fall Trayvon Martin: Zimmerman-Jury distanziert sich von Kollegin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-trayvon-martin-zimmerman-jury-distanziert-sich-von-kollegin-a-911520.html)
Verstehe ich nicht ganz: Inwiefern sind jetzt die Geschworenen unterschiedlicher Meinung? Oder andersrum: Was veranlasst jetzt die 5 Übrigen ihre wo abweichende Meinung zum Ausdruck zu bringen? Alle können doch nur der Ansicht sein, dass Z. kein Gesetz gebrochen hat. Sonst hätte ihr man doch schuldig sprechen müssen... oder?
2. Belastungsproblem
mmt 17.07.2013
was soll das denn bitte? der tot von martin belastet die jury mitglieder sehr? kann bitte jemand diese aussage deuten! waren die geschworenen emotional zu sehr getroffen? wie passt das zu freispruch? Und was soll bitte die aktion von stevie wonder? kann der anders keine musik mehr verkaufen? so einen blödsinn hab ich schon lange nicht mehr gehört. tritt er auch nicht mehr in deutschland auf? denn auch in deutschland muss "das recht dem unrecht nicht weichen"! leider funktioniert die praktische umsetzung nicht. der angegriffene hat keine mittel sich seiner haut zu wehren und wer eingreift wird ebenfalls totgetreten (vgl. u-bahn berlin).
3. Stand your ground...
SPONU 17.07.2013
...kodifiziert die in den USA sowieso übliche Handlungsmaxime "shoot first - ask later". Die NRA wird's freuen, noch mehr verunsicherte Zivilisten kaufen noch mehr Waffen. Achja und btw: auch deutsche Waffenhersteller spenden an die NRA.
4. ich fasse das mal etwas zusammen
sailor60 17.07.2013
Ein bewaffneter Mann sieht einen anderen im verdächtig vorkommenden Mann und verfolgt diesem auf öffentlichem Gelände. Dieser verfolge fühlt sich bedroht und greift den Verfolger an. Nun fühlt sich der Verfolger bedroht weil er Prügel bezieht (zu Recht wie ich finde) ruft nach Hilfe und schießt. Der Hilferuf ist unerheblich - er hat sich selbst in eine Lage gebracht die er nicht kontrollieren kann. Wie ich bei dieser Ausgangslage auf Notwehr für den Verfolger(Zimmermann) schließen kann bleibt mir schleierhaft. Wie wäre es denn mit: der Verfolgte hat den Verfolger (Zimmermann) aus Notwehr angegriffen weil er sich zu Recht verfolgt fühlte? In den USA darf ich also einen Mann verfolgen - sollte dieser mich dann angreifen kann ich ihn aus Notwehr erschießen!
5. US-Justizminister Eric Holder sei besorgt über den Fall
dapmr75 17.07.2013
Ich verstehe nicht, wieso Herr Holder über diesen Fall besorgt ist. Er kennt sich doch auch sonst gut mit Auslegung der Justiz; Stichwort: Too big too jail, Verfolgung von Whistleblowern, Guantanamo, Drohenkrieg etc.
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