Fall Uwe Barschel Neue Spur führt zum Mossad

Bis heute gibt der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel 1987 Rätsel auf, der Fall wurde nie geklärt. Neue Indizien sprechen für eine Ermordung durch den israelischen Geheimdienst Mossad.

Politiker Uwe Barschel (rechts, Archivfoto): Wissenschaftler stellt die Schuldfrage
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Politiker Uwe Barschel (rechts, Archivfoto): Wissenschaftler stellt die Schuldfrage


Kiel/Berlin - Einer der wichtigsten Gutachter im Fall Uwe Barschel verdächtigt in einem neuen Gutachten den Mossad, den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ermordet zu haben. Die chemischen Analysedaten stimmten bis in Details mit einem Mordablauf überein, den ein ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes, Victor Ostrovsky, in einem Buch schildere. Das schreibt der Schweizer Toxikologe Hans Brandenberger in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag".

Es ist das erste Mal, dass sich der Wissenschaftler zur Frage nach den Tätern äußert. Brandenberger hatte Mitte der neunziger Jahre auf Drängen der Familie Barschel ein neues Gutachten erstellt und die "Drei plus Eins"-Theorie formuliert. Er kam zu dem Ergebnis, dass Uwe Barschel die vier tödlichen Präparate nicht zeitgleich genommen haben kann. Barschel sei nicht mehr handlungsfähig gewesen, als die letzte Substanz in seinen Körper gelangte. Das Gutachten löste im Jahr 1994 neue Ermittlungen aus.

Der frühere Chefermittler in dem Fall, Heinrich Wille, sieht nun den Verdacht erhärtet, dass Barschel von einem professionellen Killerkommando getötet wurde. Brandenbergers Aufsatz enthalte neue Erkenntnisse, die geprüft werden sollten, wurde der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt von Lübeck zitiert. Einen konkreten Verdächtigen gebe es aber bis heute nicht.

Der CDU-Politiker Barschel war am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne des Genfer Luxushotels Beau Rivage gefunden worden. Viele Fachleute gehen von einem Selbstmord aus, die Todesumstände wurden aber nie zweifelsfrei geklärt.

Im Unterschied zu anderen Theorien beschreibe Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysedaten erstaunlich gut übereinstimmt, heißt es laut "Welt am Sonntag" in dem Papier Brandenbergers. Auffällige Details in Ostrovskys Bericht, zum Beispiel die rektale Zufuhr von Beruhigungsmitteln und die zeitlich versetzte Verabreichung von Medikamenten, spiegelten sich im chemischen Befund wider, so der Toxikologe.

Ex-Agent Ostrovsky erklärte, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Tod Barschels überraschten ihn nicht. "Ich weiß ja, dass es so war", wurde Ostrovsky zitiert. Der Autor, der bis heute nie offiziell von deutschen Ermittlern zum Geschehen von Genf befragt wurde, zeigte sich bereit zu einer Aussage: "Ich stehe den deutschen Strafverfolgungsbehörden jederzeit als Zeuge zur Verfügung, solange ich dabei in den USA bleiben kann."

can/dpa

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