Falscher Pilot Franzose schleicht sich mit Air-France-Hemd in US-Airways-Cockpit

Überraschungsgast im Cockpit von Flug 1717: Von Philadelphia nach Palm Beach sollte die Reise für Philippe Jernnard gehen, und er wollte im Cockpit dabei sein. Auf dem Notsitz hinter dem Piloten verhielt sich der 61-Jährige still - bis er von der Besatzung enttarnt wurde.

DPA

Philadelphia - War der Mann verwirrt? Oder wollte er einfach mit besonders guter Aussicht vom winterlich-kalten Pennsylvania ins milde Florida? Viel ist nicht bekannt über den Franzosen, der sich als Pilot ausgab und versuchte, im Cockpit einer US-Airways-Maschine mitzufliegen.

Auf dem Foto nach seiner Festnahme trägt Philippe Jernnard, 61, das angegraute, aschblonde Haar mittellang und verstrubbelt und guckt ein bisschen traurig in die Kamera. Er war noch vor dem Abflug aufgeflogen und muss nun mit einer Anklage rechnen.

Jernnard war für Mittwochabend als regulärer Passagier auf den Flug 1717 vom Philadelphia International Airport nach Palm Beach gebucht und schon beim Einchecken kein einfacher Fluggast: Er hatte am Schalter ein Business-Class-Upgrade verlangt, das aber nicht mehr verfügbar war. Als ihn Sicherheitsleute später im Cockpit des Flugzeugs noch vor dem Start festnahmen, trug er eine Fantasieuniform: weißes Hemd mit Air-France-Logo, schwarze Jacke mit Schulterstücken und einen gefälschten Mitarbeiterausweis der französischen Fluglinie. Er hatte sich im Cockpit der US-Airways-Maschine hinter dem Piloten auf einen Klappsitz gesetzt und versucht, unauffällig auf den Start zu warten.

Piloten können zwar nach vorheriger Anmeldung im Cockpit ihrer Kollegen mitfliegen, Jernnard aber war von der Besatzung schnell als falscher Pilot erkannt worden. Bei seiner Festnahme habe er keine Papiere vorzeigen können und habe begonnen, mit den Sicherheitsleuten zu diskutieren. Es habe aber zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Sicherheit der Passagiere bestanden, betonte ein Polizeisprecher am Freitagabend.

Air France teilte inzwischen mit, Jernnard sei kein Mitarbeiter der Fluggesellschaft. Die amerikanische Bundespolizei FBI hat Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, vorgeworfen werden dem falschen Piloten unter anderen Urkundenfälschung, das Vorzeigen falscher Papiere sowie Hausfriedensbruch. Die Kautionssumme wurde auf eine Million Euro festgesetzt.

cht/AP

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