Urteil: Familie von Holocaust-Überlebendem muss Kunstwerk zurückgeben

1949 brachte ein Auswanderer eine kleine assyrische Goldtafel mit in die USA. Nun hat ein Gericht in New York entschieden, dass die Familie des 2003 verstorbenen Holocaust-Überlebendem das antike Kunstwerk einem deutschen Museum zurückgeben muss.

New York - In Gerichtsverfahren um in der Nazi-Zeit gestohlene Kunstwerke werden meist deutsche Museen aufgefordert, Exponate zurückzugeben. In einem Fall am Berufungsgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn wurde nun umgekehrt entschieden: Die Familie eines Holocaust-Überlebenden muss ein antikes Goldtäfelchen an das Vorderasiatische Museum Berlin zurückgeben. Das berichtete die "New York Times".

Dem Bericht zufolge ist unklar, wie das 3200 Jahre alte dünne Plättchen aus einem assyrischen Fund in den Besitz eines 2003 gestorbenen Auschwitz-Überlebenden gelangt war. Der Mann war nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert. Seine Familie soll erst nach seinem Tod herausgefunden haben, dass es sich bei dem passbildgroßen Artefakt um ein gestohlenes Kunstwerk handelt.

Laut den Gerichtsunterlagen hatten deutsche Archäologen das Stück 1913 im Irak ausgegraben. 1926 wurde es dem Museum in Berlin übergeben und 1939 mit anderen Kunstwerken in Sicherheit gebracht. Nach dem Krieg soll das Täfelchen bei einer Bestandsaufnahme gefehlt haben. Dem Gericht in New York zufolge hatte der Mann das Kunstwerk nicht selbst aus dem Lager des Museums an sich genommen.

Die Angehörigen des Holocaust-Überlebenden haben das Kunstwerk nach Angaben ihres Anwalts nicht verkaufen, sondern im Familienbesitz behalten wollen. Nach einer Klage des Vorderasiatischen Museums auf Rückgabe entschied ein Gericht im Jahr 2010 zugunsten der Familie. Das Gericht in Brooklyn hob die Entscheidung nun auf. Bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland soll das güldene Täfelchen in einem Sicherheitsfach verwahrt werden.

Der Anwalt der Familie kündigte an, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen. Das Gericht habe ein bemerkenswert ungerechtes Urteil gefällt, sagte der Anwalt. Dagegen zeigte sich der Klagevertreter des Museums zufrieden: Die Entscheidung habe Präzedenzwirkung für all jene Museen, die gestohlene Kunstwerke zurückholen wollten - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

ulz/dpa

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