Los Angeles - Die Resonanz bei Medien und Fans ist riesig, einige Anhänger des King of Pop reisten zu dem Anlass sogar extra aus Europa an: Knapp vier Jahre nach dem Tod von Michael Jackson ist die Familie des Popstars vor Gericht gezogen - und verlangt viel Geld. Jacksons Mutter Katherine, 82, und seine drei Kinder werfen dem US-Konzertveranstalter AEG Live vor, die Gesundheit und Sicherheit des Sängers aus Geldgier vernachlässigt zu haben. Bei dem Zivilprozess, der am Montag in Los Angeles begonnen hat, geht es nun um Schadensersatz.
Das Unternehmen AEG organisierte die für den Sommer 2009 geplanten Comeback-Konzerte Jacksons. In ihrer Klageschrift erhebt die Familie schwere Vorwürfe gegen die Firma. Der Sänger sei bei seinen letzten Proben körperlich am Ende gewesen. Der Veranstalter habe den labilen Zustand des Stars gekannt, ihn aber nicht geschont. Jacksons Arzt, Conrad Murray, sei unter Druck gesetzt worden, seinen Patienten um jeden Preis fit zu machen. AEG-Anwälte argumentieren, Jackson selbst habe Murray als Leibarzt gewählt.
"Wissen Sie, was das Problem von AEG war?"
In seinem Eröffnungsplädoyer stellte Familienanwalt Brian Panish Jackson als tablettensüchtigen Künstler dar, der an Ängsten litt. Vor allem unter dem Druck eines "harten Zeitplans" hätte sich sein Zustand verschlimmert, zitierte die "Los Angeles Times" den Anwalt. "Wissen Sie, was das Problem von AEG war? Sie waren nicht die Nummer eins im Konzert Business - wollten es aber sein", sagte Panish laut der Zeitung zu den Mitgliedern der Jury, der sechs Frauen und sechs Männer angehören.
Der neue Rechtsstreit in Los Angeles vor den zwölf Geschworenen könnte sich bis zu vier Monate hinziehen. Auf der Zeugenliste stehen unter anderem Jacksons Ex-Frau Lisa Marie Presley sowie Sänger wie Prince und Diana Ross. Zudem sollen Ärzte, frühere Mitarbeiter des Popstars und Manager aus der Plattenindustrie aussagen. Mit Spannung wird auch der mögliche Auftritt von Jacksons älteren Kindern, Prince, 16, und Paris, 14, erwartet.
Die Angehörigen wollen mit einer Summe entschädigt werden, die Jackson nach seiner Comeback-Tour und einem Karriereschub hätte verdienen können. Es geht um Millionen von US-Dollar, vielleicht sogar um einen Milliardenbetrag.
Michael Jackson war am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren auf seinem Anwesen in Los Angeles an einer Überdosis des Betäubungsmittels Propofol gestorben, das ihm sein Leibarzt Conrad Murray verabreicht hatte. Der Popstar bereitete sich zu diesem Zeitpunkt auf sein Comeback vor und litt unter chronischer Schlaflosigkeit. Murray wurde im Herbst 2011 wegen fahrlässiger Tötung zur Höchststrafe von vier Jahren Haft verurteilt.
Anfang April hatte Conrad Murray betont, er wolle in dem Prozess zwischen Jacksons Familie und AEG nicht aussagen, um sich selbst nicht zu belasten. In einem Interview im Gefängnis hatte der Mediziner seine Unschuld beteuert.
bos/dpa
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