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Familien-Drama: Mutter setzt Kind als Waffe ein

Ein neuer Fall von Kindesmisshandlung hat in der US-Kleinstadt Erie Entsetzen ausgelöst. Im Streit hatte eine 27-jährige Mutter ihren Sohn als Waffe missbraucht und ihrem Lebensgefährten entgegengeschleudert. Noch rätseln die Experten über die Hintergründe der Tat.

Erie/USA - Was kann eine junge Mutter dazu bringen, ihr eigenes Baby als Waffe zu missbrauchen und es auf diese Weise lebensgefährlich zu verletzen? Psychologen ebenso wie Ermittler und Juristen im US-Staat Pennsylvania sind vorerst ratlos, was den Fall der 27-jährigen Chytoria Graham betrifft. Im Streit hat die fünffache Mutter dem 20 Jahre alten Freund ihren kleinen Sohn entgegen geschleudert. Der erst vier Wochen alte Jarron erlitt einen Schädelbruch und Hirnblutungen.

"Ich habe leider schon viele Fälle von Kindesmisshandlungen gesehen", sagte Polizeihauptmann Frank Kwitowski nach ersten Ermittlungen in Grahams Wohnung in der Ortschaft Erie. "Aber noch nie habe ich es erlebt, dass ein Baby als Waffe eingesetzt wurde." Graham wird beschuldigt, das Baby an den Füßen festgehalten und im Kreis geschleudert zu haben, um dessen Vater, Deangelo Troop, zu treffen. Dabei wurde der kleine Jarron schwer verletzt.

Den ärztlichen Notdienst rief Graham allerdings erst an, nachdem Troop ihr einen Schlag ins Auge versetzt hatte. Der Säugling musste im Krankenhaus ins künstliche Koma versetzt werden. Am Freitag ließen ihn die Ärzte wieder aufwachen. Sein Zustand sei weiterhin kritisch, aber stabil, teilte ein Polizeisprecher mit. Graham sagte den Beamten, sie sei in jener Nacht betrunken nach Hause gekommen und dann mit ihrem Freund in Streit geraten. Dabei sei ihr die Sicherung durchgebrannt.

Die 27-Jährige wurde unter dem Vorwurf der schweren Körperverletzung und Fahrlässigkeit gegenüber dem Wohl eines Kindes in Untersuchungshaft genommen. Ihre vier anderen Kinder im Alter zwischen einem Jahr und neun Jahren wurden zu ihrer Mutter Gloria Graham gebracht. Das jüngste dieser Kinder stammt ebenfalls von Troop, die drei älteren haben einen anderen Vater.

Laut ihrer Anwältin Alison Scarpitti kann sich Graham kaum noch an Einzelheiten jener Nacht zum 8. Oktober erinnern. Sie streite die Tat aber nicht ab und sei sich auch darüber im Klaren, ihr Baby schwer verletzt zu haben. Scarpitti zufolge leidet Graham möglicherweise an Wochenbettdepressionen. Auch deute alles darauf hin, dass sie selbst sehr häufig das Opfer häuslicher Gewalt gewesen sei. Nachbarn hätten dies bestätigt. Es gebe aber keinerlei Anzeichen dafür, dass sie ihre Kinder jemals misshandelt haben könnte.

Troop ist den Behörden bereits wegen Drogenbesitzes und häuslicher Gewalt aufgefallen, Graham hat keinerlei Vorstrafen. Ihre Anwältin Scarpitti besteht darauf, dass sie eingehend psychologisch untersucht wird. Der Psychiater Koushik Mukherjee betont, dass junge Mütter mit Wochenbettdepressionen häufig ihren Kindern gegenüber aggressiv werden könnten, ohne dies eigentlich zu wollen.

Für Polizeihauptmann Kwitowski zählen indessen nur die Fakten: "Es gibt hier ein schwer verletztes Baby, und sie (Graham) ist daran schuld."

Von Ramesh Santanam, AP

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