Familiendrama in Lourdes Französin tötet Mutter mit Kruzifix

Tödliches Ende einer Wallfahrt: Im religiösen Wahn hat eine 34-Jährige im französischen Lourdes ihre Mutter mit einem Kruzifix erschlagen. "Ich sah mich als Teufel", erklärte sie nach der Tat.


Lourdes - "Ich hatte eine Vision, ich habe mich als Teufel gesehen, ich war das Böse", sagte die offenbar geistig verwirrte Élisabeth F. der zuständigen Staatsanwaltschaft. Die Zeitung "La Dépêche du Midi" berichtete am Mittwoch, die 34-jährige Katholikin sei in der Nacht zum Montag aus einem Wahntraum erwacht und habe völlig unvermittelt zunächst mit einer Nachttischlampe, dann mit einer Bettlatte und schließlich mit einem Kreuz auf ihre schlafende Mutter Thérèse D. eingeschlagen.

Anschließend alarmierte Élisabeth selbst den Notarzt, der sie blutüberströmt am Bett der Mutter vorfand. Die 81-Jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Die beiden strenggläubigen Frauen lebten den Behörden zufolge seit vier Jahren in einer Wohnung nahe den heiligen Stätten von Lourdes. "Sie hatten eine sehr enge Beziehung. Die Tochter hat sich große Sorgen um den nahenden Tod ihrer Mutter gemacht", sagte der Präsident des örtlichen Roten Kreuzes, Jacques Barzu, der Zeitung. Wegen ihrer Armut hätten die beiden von Lebensmittelspenden gelebt. Zwar sei Elisabeth bisweilen depressiv gewesen, so Barzu. Er habe jedoch nie vermutet, dass sie so gewalttätig sein könnte.

"Sie waren wirklich sehr gläubig, um nicht zu sagen mystisch", sagte eine Nachbarin der "Dépêche du Midi". In der letzten Zeit sei Thérèse nicht mehr oft ausgegangen und habe müde gewirkt. Elisabeths Zustand habe sich zur gleichen Zeit offensichtlich verschlechtert, hieß es.

Nach der Tragödie diagnostizierte ein Arzt eine schwere psychische Störung bei der Tochter. Sie wurde inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Weitere Vernehmungen in den kommenden Tagen sollen klären, ob F. für zurechnungsfähig erklärt werden kann.

ala/AP



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