Fehlerhafte Brustimplantate Krankenkasse verklagt TÜV Rheinland

50.000 Euro kostete es, 27 Frauen minderwertige Brustimplantate zu entfernen. Die AOK Bayern musste die Operationen bezahlen - und will sich das Geld nun vor Gericht vom TÜV Rheinland zurückholen. Der hatte das Qualitätsmanagement des Silikonkissen-Herstellers zertifiziert.

Entfernung eines minderwertigen Implantats: Klage gegen TÜV Rheinland
DPA

Entfernung eines minderwertigen Implantats: Klage gegen TÜV Rheinland


München - Die AOK Bayern hat wegen des Skandals um minderwertige Brustimplantate Klage gegen den TÜV-Rheinland eingereicht. Es gehe um 27 Versicherte, bestätigte ein Sprecher Michael Leonhart einen Bericht des "Handelsblatts". Bei den Patientinnen habe die AOK Operationen bezahlen müssen, um mangelhaften Implantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) zu entfernen. Die Kosten beliefen sich auf rund 50.000 Euro.

Diese Summe forderte die AOK nun vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth als Schadensersatz vom TÜV Rheinland. Laut "Handelsblatt" zertifizierten die Prüfer bis 2010 das Qualitätsmanagement der Silikon-Implantate.

"Der TÜV Rheinland ist unserer Auffassung nach seiner Pflicht nicht angemessen nachgekommen", begründete ein AOK-Sprecher die Klage. Seines Wissens sei es die erste Klage dieser Art, die eine Krankenkasse einreiche. Die AOK Bayern ist die größte Kasse im AOK-Verbund.

Der TÜV Rheinland wollte sich zu der Klage nicht äußern. Das Gericht bestätigte jedoch ihren Eingang. Der TÜV Rheinland habe eine Zweigstelle in Nürnberg, sagte ein Gerichtssprecher. Das Verfahren sei in einem sehr frühen Stadium. Ob und wann es zum Prozess komme, sei noch offen.

Weltweit haben Chirurgen nach Schätzungen Hunderttausende minderwertige Silikonkissen von PIP implantiert. Unternehmensgründer Jean-Claude Mas hatte gestanden, Brustimplantate mit einem hausgemachten Billig-Gel gefüllt zu haben. Mas steht vor Gericht, die Staatsanwaltschaft hat vier Jahre Haft für ihn gefordert.

Durch den Betrug soll PIP, mittlerweile insolvent, jährlich eine Million Euro gespart haben. Die PIP-Produkte gelten als besonders reißanfällig. Allein in Deutschland sind mehr als 5000 Frauen betroffen. Der Fall hatte eine heftige Diskussion ausgelöst. Krankenkassen forderten strengere Regeln bei der Zulassung neuer Medizinprodukte, das Gesundheitsministerium ein Register und CE-Siegel für Prothesen.

ulz/dpa

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