Ferguson Anwälte der Brown-Familie kritisieren Urteil als "völlig unfair"

Mit scharfen Worten kritisieren die Anwälte der Familie des getöteten Michael Brown das Urteil der Grand Jury. Der Staatsanwalt sei eine Fehlbesetzung gewesen. In Ferguson wird weiter protestiert und auch ein Fall in Cleveland zieht die Menschen auf die Straße.

DPA

Ferguson/Cleveland - Für die tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown muss sich der weiße Polizist Darren Wilson nicht vor Gericht verantworten, urteilte eine Grand Jury in der Kleinstadt Ferguson. Die Anwälte der Familie des getöteten Brown haben die juristische Aufarbeitung des Falls nun scharf kritisiert. Der Prozess sei "vollkommen unfair" gewesen, sagte Benjamin Crump bei einer Pressekonferenz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.

Der Staatsanwalt Robert McCulloch habe eine enge Beziehung zur lokalen Polizei gepflegt und sei somit eine völlige Fehlbesetzung gewesen. Daher habe man schon bei seiner Nominierung protestiert und einen unabhängigen Ermittler gefordert, bevor die Geschworenenjury im August ihre Arbeit aufnahm.

Der Anwalt Anthony Gray erklärte, die Beweise seien von der Staatsanwaltschaft bewusst so präsentiert worden, dass Wilson nicht angeklagt werde. Viele Fragen an die Zeugen seien zynisch und sarkastisch gewesen. Er betonte, dass die Ermittlungen der Bundesbehörden gegen den Beamten noch nicht abgeschlossen seien.

Auch der Bürgerrechtler Al Sharpton kritisierte den Verzicht einer Anklage. Das System der Geschworenenjury sei im Fall Michael Brown missbraucht worden. Die Entscheidung sei nicht überraschend und schreie förmlich nach Ermittlungen der Bundesbehörden.

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Krawalle in Ferguson: Schüsse, Plünderungen, brennende Gebäude
Die Nachricht hatte in Ferguson erneut heftige Ausschreitungen ausgelöst. Dutzende Menschen wurden festgenommen, es gab Berichte über Schüsse, Gebäude wurden in Brand gesetzt.

Proteste in Cleveland nach Polizeischüssen auf Zwölfjährigen

Auch in Cleveland demonstrierten Dutzende Menschen am Dienstag gegen Polizeigewalt. Dort war ebenfalls ein schwarzer Teenager durch Polizeischüsse gestorben. Tamir Rice hatte eine Spielzeugpistole bei sich, die die Polizisten nach eigener Aussage für eine echte Waffe hielten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Todesschützen.

"Schießt nicht", war auf den Plakaten der Protestierenden zu lesen und: "Wir wollen keine Tötungen durch die Polizei mehr." Anders als in Ferguson verliefen die Demonstrationen in Cleveland friedlich.

Die Menschen in Cleveland sahen bei ihren Kundgebungen aber Zusammenhänge zwischen beiden Vorfällen. Laut der Zeitung "The Plain Dealer" versammelten sich die Demonstranten in der Nähe des Parks, in dem Rice getötet wurde. Die ältere Schwester des Jungen sagte vor den Demonstranten: "Ich weiß nicht, warum sie das taten. Er war erst zwölf. Er liebte jeden."

gam/dpa/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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peter-k 27.11.2014
1. Bild Nr. 12
Alle relevanten Instanzen in Politik, Exekutive und Bevölkerung müssen sich fragen, ob sie so den zukünftigen Staat und seine Polizei sehen wollen. Alle, auch die auf der "anderen Seite" stehen mögen. Wollt Ihr das? Wollt ihr in so einem Staat leben?
philoktes 28.11.2014
2. Verständnis
Die Kritik der Familie an dem Urteil der Gran Jury finde ich durchaus berechtigt. Entgegen dem üblichen Verfahren einer GJ gab es in diesem Fall mehrere Abweichungen, unter anderem die Aussage des Todesschützen, vor allem aber die Empfehlung des Staatsanwaltes an die Jury Wilson nicht anzuklagen! Ich dachte die Staatsanwaltschaft präsentiert der Gran Jury wertfrei die Beweislage und die möglichen Anklagepunkte?
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