Todesschuss in Ferguson Polizeichef veröffentlicht neue Details zum Tathergang

Offenbar war Michael Brown unmittelbar vor seinem Tod in einen Ladendiebstahl verwickelt. Der Polizist, der ihn erschoss, habe davon aber nichts gewusst, sagt der Polizeichef von Ferguson.

Bilder aus dem Nachbarschaftsladen: Laut Polizei ist der Mann mit dem weißen T-Shirt Michael Brown
REUTERS

Bilder aus dem Nachbarschaftsladen: Laut Polizei ist der Mann mit dem weißen T-Shirt Michael Brown


Ferguson - Zusammen mit dem Namen des Polizisten, der Michael Brown erschoss, hat die Polizei in Ferguson weitere Details des Falls herausgegeben. Man sei wegen eines "Überfalls" in einem Laden in der Gegend gewesen, sagte Polizeichef Thomas Jackson. Doch der Beamte, der auf Brown schoss, wusste nichts davon, erläuterte Jackson später am Freitag.

Die Ermittler hatten zuvor Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht, die Brown kurz vor seinem Tod bei einer Auseinandersetzung mit einem Ladenmitarbeiter zeigen sollen.

Auf den Bildern ist zu erkennen, wie ein großer, dunkelhäutiger Mann in einem weißen T-Shirt mit einem schmalen, deutlich kleineren Mann aneinandergerät. Es soll sich dabei um Brown handeln, der den Verkäufer am Kragen packt.

Brown hatte dem Polizeichef zufolge zusammen mit einem Freund versucht, in dem kleinen Gemischtwarengeschäft mehrere Päckchen Zigarillos zu stehlen. Einer Zeugin zufolge forderte der Mitarbeiter Brown auf, die Tabakwaren zu bezahlen. Als der Teenager jedoch Anstalten machte, den Shop zu verlassen, habe der Verkäufer sich in die Tür gestellt. "Daraufhin packte Brown ihn am Hemd und schubste ihn mit Gewalt rückwärts in einen Warenständer", zitiert die "Washington Post" aus einem Polizeibericht.

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Der Beamte Darren W., der Brown später erschoss, soll demnach bereits wegen eines anderen Notrufs in der Gegend gewesen sein und dann auf den Alarm des Ladenmitarbeiters geantwortet haben. Er habe eine Beschreibung des möglichen Verdächtigen bekommen sowie dessen Aufenthaltsort. W. habe Brown schließlich auf dem Canfield Drive in Ferguson entdeckt.

Was dann genau geschah, ermitteln derzeit die Polizei und das FBI. Fakt ist bislang nur: Wenige Minuten später war der unbewaffnete Teenager tot.

Wie und warum der Polizist den 18-Jährigen überhaupt ansprach, ist nicht wirklich klar. Laut Polizei eskalierte die Situation, als W. in seinen Dienstwagen geschubst wurde. Es soll zu einem Handgemenge gekommen sein, in dessen Folge W. auf Brown feuerte. Noch im Auto sei ein Schuss gefallen, dann seien eine Reihe weiterer gefolgt.

Browns Familie und Freunde berichteten, der Schüler sei mit dem Freund auf dem Weg zu seiner Großmutter gewesen. Der Kumpel sagte, Brown habe nach dem ersten Schuss die Arme gehoben und zu fliehen versucht. Dennoch habe der Polizist weiter auf Brown gefeuert.

Der Anwalt der Familie Brown kritisierte die Informationspolitik der Polizei. Die Mitteilung habe die Eltern des Toten unvorbereitet getroffen, sie seien erzürnt. Der Jurist sprach von einer Verschleierungstaktik. Man bemühe sich, den Toten schlecht zu machen. "Es ist schlimm genug, dass sie ihn getötet haben. Und nun versuchen sie, auch noch seinen Charakter zu töten."

Der Tod des 18-jährigen Brown hatte in Ferguson Unruhen und Ausschreitungen ausgelöst. Zuletzt war es zu Demonstrationen, aber auch Plünderungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Lage beruhigte sich erst, nachdem Missouris Gouverneur die Verantwortung für die Kleinstadt der Autobahnpolizei übertrug. Der Chef der Behörde, Ronald Johnson, setzt auf Dialog und Deeskalation.

gam/AP/AFP/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 189 Beiträge
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Seite 1
zack34 15.08.2014
1. Ein Ladendiebstahl kann m.E. keine Schüsse auf den Täter rechtfertigen
Aber in den USA sehen die das etwas anders. In manchen Staaten reicht sogar bereits das Bertreten vom Grundstück, um den Gebrauch von Schusswaffen zu begründen.
muffelkopp 15.08.2014
2. Charakter töten?
"Es ist schlimm genug, dass sie ihn getötet haben. Und nun versuchen sie, auch noch seinen Charakter zu töten." Was das auch immer sein soll... Sollten sich die Anschuldigungen, dass Brown ein Krimineller war (ob klein oder groß sei dahingestellt), bewahrheiten, wurde der "Black community" ein Bärendienst erwiesen. Vorurteile wurden bestätigt, und Krawalle brachen aus. Selbstverwirklichende Prophezeiung nennt man sowas. ..
klausbrause 15.08.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSWar Michael Brown vor seinem Tod in einen Ladendiebstahl verwickelt? Bilder legen eine Auseinandersetzung des Teenagers mit einem Verkäufer nahe. Die Familie des Opfers ist empört: Fergusons Polizei wolle den 18-Jährigen schlecht machen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ferguson-kamerabilder-zeigen-michael-brown-in-drugstore-a-986408.html
Raubüberfall? Nach dem Text Ihrer Meldung kann ich höchstens einen versuchten Ladendiebstahl erkennen. Ob der 8 versuchte Beinschüsse rechtfertigt?
schlaueralsschlau 15.08.2014
4.
Ist er so groß oder der andere einfach klein?
Hollowmen 15.08.2014
5. Strafgesetzbuch
In Deutschland wäre die so beschriebene Handlung ein Raub, Mindeststrafe 1 Jahr, im minder schweren Fall immer noch 6 Monate Freiheitsstrafe. Auf alle Fälle kein Kavaliersdelikt.
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