Erschossener Teenager Brown Polizei feuert Rauchbomben auf Demonstranten in Ferguson

Eine nächtliche Ausgangssperre in Ferguson sollte Ruhe in die US-Kleinstadt bringen. Doch mindestens 150 Demonstranten widersetzten sich der Regel. Die Polizei setzte Rauchbomben ein.


Ferguson - Ferguson kommt auch mehr als eine Woche nach den tödlichen Schüssen auf den Teenager Michael Brown nicht zur Ruhe. Trotz eines am Samstag verhängten Ausnahmezustands und einer Ausgangssperre ist es in der Nacht zu Ausschreitungen gekommen. Schwer bewaffnete Polizisten gingen mit Rauchbomben gegen die mindestens 150 Demonstranten vor, die sich der Sperre widersetzten. Die Fernsehbilder des US-Senders CNN von dem Einsatz sahen dramatisch aus, es gab aber zunächst keine gewaltsamen Zusammenstöße.

Jay Nixon, der Gouverneur von Missouri, hatte am Samstagsnachmittag (Ortszeit) den Ausnahmezustand in Ferguson verhängt. Und zugleich eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens angeordnet, um die heftigen Proteste einzudämmen. "Die Ausgangssperre verschlimmert die Lage", sagte der 24-jährige Phonso Scott, der zu den Demonstranten gehörte.

Schon am Abend hatte sich auf den Straßen der Kleinstadt eine Atmosphäre breitgemacht, die Reporter vor Ort als angespannt bezeichneten. Randalierer zogen durch die Straßen und plünderten Geschäfte. Der "New York Times" zufolge warfen einige mit Flaschen auf Polizisten. Die Einwohner blockierten Medien zufolge eine Durchfahrtsstraße mit Barrikaden.

Fotostrecke

6  Bilder
Ferguson: Eine Stadt kommt nicht zur Ruhe

Der 18 Jahre alte Brown war am 9. August von einem weißen Polizisten erschossen worden - obwohl er unbewaffnet war. Danach hatte es tagelang Unruhen gegeben. Sie endeten vorübergehend, nachdem die wegen ihres gewaltsamen Vorgehens kritisierten örtlichen Polizeikräfte abgezogen wurden und die Autobahnpolizei die Kontrolle übernahm. Zuletzt hatten die Behörden den Namen des Schützen bekannt gegeben. Gleichzeitig veröffentlichten die Ermittler Bilder, die Brown in Zusammenhang mit einem "Überfall" auf ein Gemischtwarengeschäft bringen. Seitdem flammen die Unruhen wieder auf.

Die Familie des Opfers hatte kritisiert, die Polizei wolle Brown nun nachträglich in einem schlechten Licht darstellen, um die Anwendung von Gewalt zu rechtfertigen. Keine der vorgelegten Fakten könne "die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist", erklärten die Anwälte der Familie.

Der 28 Jahre alte Schütze Darren W. fühlte sich nach seiner Identifizierung angesichts der angespannten Lage in der Stadt offenbar nicht mehr sicher und floh aus seinem Haus.

yes/Reuters/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mightyschneider 17.08.2014
1.
Der Artikel suggeriert, dass man die marodierenden Banden bei ihren Randale- und Plünderungs(!)orgien besser gewähren lassen sollte, weil alles andere die Situation "verschlimmert". Ob dieser hanebüchenen Einstellung zum Rechtsstaat möchte man den "Demonstranten" zurufen: Das Gesetz gilt für alle Menschen gleichermaßen.
Websingularität 17.08.2014
2.
Zitat von mightyschneiderDer Artikel suggeriert, dass man die marodierenden Banden bei ihren Randale- und Plünderungs(!)orgien besser gewähren lassen sollte, weil alles andere die Situation "verschlimmert". Ob dieser hanebüchenen Einstellung zum Rechtsstaat möchte man den "Demonstranten" zurufen: Das Gesetz gilt für alle Menschen gleichermaßen.
Welches Gesetz? Sie meinen die Spielregeln die andere Menschen machen? Das nenne ich naive Staatsgläubigkeit.
kroganer 17.08.2014
3. Rechtsstatt?
Der Rechtsstaat endete in dem Moment als ein unbewaffneter Verdächtiger auf offener Straße hingerichtet wurde. Amerika hat ein Problem welches immer mehr zur Katastrophe ausartet!
demophon 17.08.2014
4.
Zitat von kroganerDer Rechtsstaat endete in dem Moment als ein unbewaffneter Verdächtiger auf offener Straße hingerichtet wurde. Amerika hat ein Problem welches immer mehr zur Katastrophe ausartet!
Ein Rechtsstaat endet auch da, wo Randalierer ungehindert Warenhäuser plündern können. Das hat nichts mehr mit Protest zu tun.
steueragent 17.08.2014
5. Vor dem Gesetz sind alle gleich.
Das ist ein schönes Sprüchlein. Aber ich denke, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, wird man schnell feststellen, dass dies leider nicht immer und nicht für jeden gilt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.