Krawalle nach Rücktritt von Polizeichef Zwei Polizisten in Ferguson angeschossen

In Ferguson ist es erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Zwei Polizisten wurden angeschossen. Zuvor war der Polizeichef der US-Kleinstadt wegen Rassismusvorwürfen zurückgetreten.

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Ferguson - Nach den Rücktritten des Polizeichefs und des Verwaltungsdirektors von Ferguson kommt die US-Kleinstadt nicht zur Ruhe. Am Mittwochabend (Ortszeit) zogen etwa 150 Demonstranten vor die Polizeizentrale, um den Abgang des Polizeichefs zu feiern. Sie trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung, die das Gebäude abgeriegelt hatten, berichten das Blatt "St. Louis Post-Dispatch" ("STL") und CNN.

Dem Lokalsender KMOV zufolge wurden mindestens zwei Menschen festgenommen, die genauen Hintergründe sind unklar. Mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur Reuters, "STL" und "Buzzfeed" berichteten, es seien Schüsse gefallen. Die Polizeidirektion von St. Louis County bestätigte mittlerweile auf Twitter, dass zwei Polizisten angeschossen wurden.

Ein 44 Jahre alter Polizist sei an der Schulter und sein 32 Jahre alter Kollege im Gesicht getroffen worden, sagte der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Colonel Jon Belmar, bei einer Pressekonferenz. Die Verletzungen seien ernsthaft, sie schwebten jedoch nicht in Lebensgefahr.

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Ferguson: Schüsse, Krawalle, Festnahmen
Im Sommer 2014 war der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Fall hatte heftige Proteste ausgelöst, die immer wieder mit Gewalt eskalierten.

Vor wenigen Tagen hatte ein Bericht des Justizministeriums schwere Missstände in Ferguson im Umgang mit Afroamerikanern angeprangert. Polizisten seien in der Stadt in unverhältnismäßiger Weise gegen Schwarze vorgegangen.

Daraufhin hatten sowohl der für die Finanzen der Stadt zuständige Verwaltungschef John Shaw sowie der Polizeichef Thomas Jackson ihr Amt niedergelegt.

Im Video: Polizeichef Thomas Jackson tritt zurück

gam/Reuters/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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Trainspotter 12.03.2015
1.
Dass die Art und Weise, wie die 'Bevölkerung' mit der Polizei umgeht, zum Großteil Schuld daran hat, interessiert aber keinen...
doedelheimer 12.03.2015
2. Geschichtsklitterung:
Mag sein oder auch nicht, daß die Polizei in Ferguson latent rassistisch ist. Schlimm ist aber die Legendenbildung, an der SPON sich wohl gerne beteiligt: 1) Michael Brown war 18 Jahre alt - also kein "Jugendlicher" mehr. Ja, das ist durchaus relevant - es ist nachvollziehbar, daß das Bedroungspotential eines 1,55 m großen Jugendlichen ein anderes ist als das eine 1,93 großen und ca. 150kg schweren 18-Jährigen! 2) Er beging keinen "Diebstahl" von Zigarren, sondern einen schweren Raubüberfall, bei dem er gegen einen Angestellten tätlich wurde 3) Den Schüssen gingen Tätlichkeiten gegen den Polizisten voraus, die ausschließlich von Michael Brown ausgingen 4) Michael Brown hatte bereits mehrere Delikte in seiner Polizeiakte - ändert nicht daran, daß Eltern und Sonstige gerne das Bild eines Musterschülers konstruieren... 5) der eigentlich Rassismus ist doch der der "black community" gegen sich selbst: Realitätsverweigerung und fehlender Wille, den sozialen Aufstieg aus eigener Kraft zu schaffen, und eine ganze Generation von Kindern, die ohne Väter aufwachsen. Nein, das habe nich ich, sondern ein bekannter schwarzer Schauspieler und Comedian gesagt (der sich ebenfalls mit absurden Vorwüfen plagen muß...)
ihawk 12.03.2015
3. Wer Gewalt predigt, wird einen Orkan ernten
Ferguson ist nur eine von unzähligen Städten in den USA, in denen Rassismus Methode ist und zum normalen Alltag gehört. In einem Land, in dem der Glaube vorherrscht, alle Probleme mit Polizeigewalt lösen zu können, fehlt wohl das Vorstellungsvermögen was für ein Orkan über dieses Land hinweg fegen wird, wenn sich die Finanzmafia endgültig verzockt hat und die Menschen hungern müssen.
bifiwi.70 12.03.2015
4. Es geht weiter
In Ferguson ist de rRassismus offen ausgebrochen und ein Deckel lässt sich jetzt nicht einfach wieder darüberstülpen. Die Fehler, die offensichtlich bei Polizei und Stadtverwaltung gemacht wurden, müssen bestraft und dann korrigiert werden. Die schwarze Bevölkerung wird sich nicht so einfach wieder mundtot machen lassen.
korbburg 12.03.2015
5. Recht und Gesetz
Zitat von ihawkFerguson ist nur eine von unzähligen Städten in den USA, in denen Rassismus Methode ist und zum normalen Alltag gehört. In einem Land, in dem der Glaube vorherrscht, alle Probleme mit Polizeigewalt lösen zu können, fehlt wohl das Vorstellungsvermögen was für ein Orkan über dieses Land hinweg fegen wird, wenn sich die Finanzmafia endgültig verzockt hat und die Menschen hungern müssen.
Nur weil jemand glaubt, dass ihn Gott oder die Natur benachteiligt hat, hat er noch lange nicht das Recht sich über Recht und Gesetz hinweg zu setzen. Auch hier gilt die Rechtsordnung. Sehr oft stellen interessierte Kreise Ursache und Wirkung auf den Kopf, um Skandale zu provozieren. Soll die Polizei einen Tatverdächtigen etwa nach einem Raubüberfall laufen lassen, nur weil er ein Afroamerikaner ist? Das kann es ja wohl nicht sein.
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