Düsseldorf - Die Tatvorwürfe lauten: schwerer Raub, Erpressung, Betrug, Computerbetrug, schwerer Bandendiebstahl und gefährliche Körperverletzung. Ein ehemaliger Mitarbeiter soll bereits ausgepackt und die Vorwürfe bestätigt haben. Nach der Festnahme der Düsseldorfer Rotlichtgröße Bert Wollersheim stehen bei der Polizei die Telefone kaum noch still. "Wir haben zahlreiche Anrufe von Geschädigten bis aus den USA. Das Dunkelfeld scheint unfassbar groß", sagte ein Polizeisprecher.
In Düsseldorfer Bordellen sollen Freier reihenweise mit K.o.-Tropfen betäubt worden sein. Anschließend seien ihre Kreditkarten geplündert worden. Um die Stammkunden nicht zu verprellen, sollen offenbar gezielt weit gereiste Männer ausgewählt worden sein. Die Polizei richtete für die Opfer eine Telefon-Hotline ein (0211/8705701). Unterdessen begannen einen Tag nach der großen Bordell-Razzia die Vorführungen der elf Festgenommenen beim Haftrichter.
Um die Opfer von Strafanzeigen abzuhalten, waren sie den Ermittlungen zufolge inmitten von Prostituierten und großen Champagnerflaschen abgelichtet worden. Damit sollte ein vermeintlicher erheblicher Konsum von sexuellen Dienstleistungen und teuren Getränken dokumentiert werden. Die Fotos seien dann als Druckmittel verwendet worden. Es wird gegen 80 Verdächtige ermittelt.
Bordellbesitzer Wollersheim ist seit vielen Jahren eine schillernde Figur im Rotlichtmilieu. Bekannt wurde er durch die TV-Serie "Die Wollersheims". 400 Polizisten hatte am Dienstag seine Etablissements und sein Anwesen durchsucht.
Wollersheim war Mitte der neunziger Jahre wegen erpresserischen Menschenraubs verurteilt worden. Eine Prostituierte hatte sich in einen Rechtsanwalt verliebt und war zu ihm gezogen. Als der Anwalt eine "Ablösesumme" verweigerte, war die Frau auf Wollersheims Ranch am Niederrhein verschleppt und gefangengehalten worden.
wit/dpa
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