Feuer in Hamburg Minderjähriger gesteht Brandstiftung

Ein Junge hat gestanden, den Brand im Hamburger Stadtteil Altona gelegt zu haben, bei dem eine Mutter und ihre zwei Söhne starben. Der mutmaßliche Täter ist Mitglied der Jugendfeuerwehr Hamburg.

DPA

Hamburg - Am Mittwochabend war der Brand in einem Hamburger Mehrfamilienhaus ausgebrochen. Die Polizei vermutete Brandstiftung, Brandherd war vermutlich ein Kinderwagen, der im Hauseingang abgestellt worden war. Nun hat die Polizei einen Verdächtigen ermittelt: Ein Junge habe die Tat eingeräumt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Hamburg mit. Er sei Mitglied der Jugendfeuerwehr.

In einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es, die Auswertung von Videomaterial aus einer Überwachungskamera, die Ermittlungen einer Sonderkommission und die Aussagen einer Zeugin hätten auf die Spur des Jungen geführt. Am Freitagabend haben die Beamten den Jungen gesprochen. Er ist nicht strafmündig und wird nun zunächst in einer Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht. Laut Strafgesetzbuch sind Kinder unter 14 Jahren schuldunfähig.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung ist der Junge 13 Jahre alt. Die Tat sei nicht politisch motiviert gewesen, teilte die Polizei mit.

Bei dem Feuer waren eine 33-Jährige aus Pakistan und ihre beiden Söhne, sechs und sieben Jahre alt, gestorben. Mehr als 25 Bewohner wurden verletzt, 15 von ihnen kamen in Krankenhäuser. Die Feuerwehr sprach von einem der schlimmsten Brände seit Jahren in der Hansestadt. In dem Haus lebten vor allem Asylbewerber.

Trauermarsch für die Toten

Die Mutter und ihre Kinder wurden tot in ihrer Dachgeschosswohnung im vierten Stock gefunden. Vermutlich hatten sie durch das verrauchte Treppenhaus fliehen wollen. Die Familie hatte laut Feuerwehr die Wohnungstür geöffnet - dadurch konnte Rauch hineinziehen. Der Vater der Kinder war während des Feuers nicht zu Hause. Er kam zurück, als die Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpften. Der Mann werde psychologisch betreut, sagte eine Polizeisprecherin. Die Familie lebte seit 2002 in Hamburg.

Als die ersten Einsatzkräfte am Brandort eintrafen, standen viele Bewohner an den Fenstern und riefen um Hilfe. Die Feuerwehr konnte die Betroffenen in den Wohnungen unterhalb des Dachgeschosses mit Leitern retten.

Am Samstagmittag haben in Hamburg Hunderte Menschen mit einem Trauermarsch an die Toten erinnert. Der Marsch setzte sich 13.30 Uhr vom S-Bahnhof Sternschanze aus in Bewegung. Die Polizei sprach von etwa 650 Teilnehmern. Manche hielten weiße Luftballons in den Händen.

Bürgermeister Olaf Scholz erklärte, ihm sei wichtig, dass die Stadt und ihre Behörden nun insbesondere dem Mann, der seine Frau und zwei Söhne verloren hat, hilfreich zur Seite stehen.

han/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.