Brandkatastrophe in Bangladesch: Textilfabrik-Chefs sollen Notausgänge verschlossen haben

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat die Polizei drei Manager festgenommen - sie sollen eine Evakuierung verhindert haben. In dem Feuer sind über 100 Menschen gestorben, laut Zeugen waren Notausgänge verschlossen.

AP

Dhaka - Drei Manager der Unglücksfabrik in Bangladesch sind wegen ihres Verhaltens während des Brandes festgenommen worden. Die drei seien für Lager, Verwaltung und Sicherheit verantwortlich gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Dhaka. Während des Brandes, bei dem am Samstagabend 110 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben gekommen waren, hätten sie sich "unverantwortlich" verhalten.

Der Polizeichef von Dhaka, Habibur Rahman, sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP: "Überlebende sagten uns, sie hätten Arbeitern nicht erlaubt, vor dem Feuer zu fliehen und hätten von einer Routine-Feuerübung gesprochen." Weitere Zeugen berichteten laut Polizei, die drei Führungskräfte hätten Vorhängeschlösser an den Ausgängen angebracht.

Zeugen hatten lokalen Medien berichtet, Notausgänge seien abgeschlossen gewesen und Feuerlöscher hätten nicht funktioniert. Der Fabrikbesitzer wurde von der Polizei ebenfalls befragt, aber nicht festgenommen. Nach Erkenntnissen der Regierung waren Brandstifter für das fatale Feuer verantwortlich. Zwei Verdächtige sitzen derzeit hinter Gittern. Die Feuerwehr war von einem Kurzschluss oder einer weggeworfenen Zigarette als Brandursache ausgegangen.

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Über 100 Tote in Textilfabrik: Trauer um Brandopfer in Bangladesch
Überlebende des Feuers und Kollegen angrenzender Fabriken gingen auch am Mittwoch wieder auf die Straße, um für mehr Brandschutz zu demonstrieren. Sie blockierten Straßen und gerieten mit der Polizei aneinander.

Ein Polizeisprecher teilte mit, dass die meisten Textilfabriken in Ashulia auch am Mittwoch wegen der Proteste geschlossen blieben. "Mehrere Fabriken wurden von wütenden Demonstranten angegriffen", sagte er SPIEGEL ONLINE am Telefon. "Sie werfen mit Steinen, zünden Autos und Motorräder an und zerstören, was sie nur können." Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit Tränengas auseinanderzutreiben.

Die Gewalt nahm zu, als mehrere tausend Arbeiter eine Fabrikanlage neben dem abgebrannten Gebäude nach einem Kurzschluss verließen. "Sie haben sich den Demonstranten angeschlossen, die Lage gerät zunehmend außer Kontrolle", so der Polizeisprecher. "Wir vermuten, dass sich auch Randalierer, die nichts mit der Textilbranche zu tun haben, unter die Demonstranten mischen."

Nach dem Brand hatten Experten kritisiert, dass die Vergabe von Sicherheitszertifikaten eine Farce sei. Fabrikbesitzer kauften sich die Zertifikate, um Auftraggeber zufriedenzustellen. Die westlichen Kunden ihrerseits seien nur an billiger Ware interessiert, um die Zustände vor Ort kümmerten sie sich kaum.

Sie werden sich von einem weiteren Brand bestätigt fühlen, der sich am Mittwoch ereignete: Mindestens 50 Menschen wurden ebenfalls in einer Textilfabrik in Bangladesch verletzt, als sie nach dem Ausbruch eines Feuers in Panik gerieten. Die Arbeiter der Fabrik Section Seven Limited in der Hafenstadt Chittagong hätten am Mittwoch fluchtartig das Gebäude verlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Bei dem Gedränge seien mehrere Dutzend Menschen verletzt worden. Das Feuer sei in der vierten Etage des fünfstöckigen Gebäudes wegen eines Kurzschlusses ausgebrochen. Die Feuerwehr brachte den Brand rasch unter Kontrolle, wie es hieß.

bim/kaz/dpa/AP/AFP

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sara100 28.11.2012
Zitat von sysopAPNach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat die Polizei drei Manager festgenommen -sie sollen eine Evakuierung verhindert haben. In dem Feuer waren über 100 Menschen gestorben, laut Zeugen waren Notausgänge verschlossen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/feuer-in-textilfabrik-von-bangladesch-polizei-nimmt-drei-manager-fest-a-869692.html
->Die westlichen Kunden ihrerseits seien nur an billiger Ware interessiert, um die Zustände vor Ort kümmerten sie sich kaum.
2. Die Gier
äppler 28.11.2012
der westlichen Kunden ist das Problem.
3. Textilproduktion in Bangladesh
hp.ruggaber 28.11.2012
dass dort alle Ausgänge verschlossen sind, ist Standard, das war schon vor 30 Jahren so und hat sich bis heute wenig geändert. Wenn diese Textil-Marken-Kontrolleure was anderes in ihre Berichte schreiben, ist das falsch. Es geht nur um die billigsten Preise, nicht um das Arbeitspersonal oder deren Rechte und Gesundheit. Die sogenannten "social audits" sind sehr oft geschönt, das wissen alle Beteiligten. mfg Ruggaber
4.
calido46 28.11.2012
Und die Kunden aus aller Welt, die so ein t-shirt für 1,99 € kaufen, tragen eine genau so große Mitschuld! Es müßte doch jedem klar sein der so ein Billigprodukt erwirbt, daß bei der Herstellung weder die Gesundheit der Arbeiter noch der Umweltschutz oder irgendetwas anderes zählen. Was alleine zählt ist der Profit!
5. war ja klar
Christ 32 28.11.2012
die westlichen Kunden sind Schuld weil die nicht dafür sorgen das die Brandschutzbestimmung vom Auftragnehmer eingehalten werden. Und wenn als nächstes hier ein Aldi abbrennt dann bin ich als Kunde Schuld weil ich nur an billigen Waren interessiert war.
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