Messerattacke im IC nach Flensburg Streit mit tödlichem Ende

Nach einem Streit in einem Zug erschießt eine Polizistin einen 24-Jährigen. Die Fakten und offenen Fragen im Überblick.

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Was ist passiert?

Im Intercity von Köln nach Flensburg kam es zu einer Auseinandersetzung, an der laut Polizei zwei Männer und eine Polizistin beteiligt waren. Die "Bild"-Zeitung berichtete, ein Zugbegleiter habe über Lautsprecher nach Polizisten an Bord gefragt. Eine Beamtin sei daraufhin dazugekommen. Polizei und Staatsanwaltschaft kommentierten die Abläufe nicht.

Die genauen Vorgänge sind noch unklar, die Ermittler äußerten sich auf Anfrage nicht dazu. Nur so viel: Der 24-Jährige habe seinen Kontrahenten und die Beamtin mit einem Messer attackiert. Daraufhin habe die Polizistin den Mann mit ihrer Dienstwaffe erschossen.

Die Frau und der 35-Jährige wurden nach Polizeiangaben schwer verletzt. Die Beamtin sprach laut Innenministerium Schleswig-Holstein noch in der Nacht mit einem Seelsorger. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut.

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IC nach Flensburg: Attacke im Zug

Was ist über die Beteiligten bekannt?

Bei dem 24-Jährigen handelt es sich um einen Mann aus Eritrea, der seit 2015 in Deutschland lebte. Er hatte einen befristeten Aufenthaltstitel. Laut Polizei wohnte er in Nordrhein-Westfalen; eine Obduktion soll seine Identität abschließend klären.

Der Verletzte ist ein 35 Jahre alter Deutscher aus Köln. Worüber die beiden gestritten haben und ob sie sich kannten, sagte die Polizei nicht. Der 35-Jährige konnte wegen seiner Verletzungen bisher nicht vernommen werden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Einen terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler aus.

Die Polizistin ist 22 Jahre alt und Mitglied der Bereitschaftspolizei Bremen. Sie war laut Staatsanwaltschaft privat nach Flensburg unterwegs.

Warum trug die Beamtin auf einer privaten Reise eine Waffe?

In Schleswig Holstein dürfen Beamte laut dem Kieler Innenministerium kostenlos in Zügen des Nah- und Fernverkehrs reisen, wenn sie ihre Uniform tragen und ihre Waffe dabei haben. Das gilt für dienstliche und private Reisen. Sie sollen dem Zugpersonal und Mitreisenden als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Landes- und Bundespolizisten dürfen den Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) deutschlandweit kostenlos nutzen. "Das dient der subjektiven und objektiven Sicherheit der Bahn und ihrer Kunden", sagte ein DB-Sprecher.

Seit den Neunzigerjahren gibt es solche Vereinbarungen zwischen Polizei und Bahn, sie wurden schrittweise ausgebaut. In Niedersachsen dürfen uniformierte Beamte seit 2003 den Nah- und Fernverkehr kostenlos nutzen; Bayern beschloss 2010, dass Polizisten in Uniform alle öffentlichen Verkehrsmittel ohne Fahrschein nutzen dürfen.

Laut dem Tarifwerk der Deutschen Bahn haben Polizisten keinen Anspruch auf einen Sitzplatz; sie müssen also aufstehen, wenn ein zahlender Fahrgast darum bittet.


Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, laut Polizei hätten sich zwei Männer gestritten. Dies ist nicht korrekt. Inzwischen hat die Polizei mitgeteilt, dass der 24-Jährige zunächst die Polizistin angegriffen habe. Lesen Sie hier den neuesten Stand.

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