Flick-Grabschändung Polizei rätselt über Motiv der Leichendiebe

Wer entwendete den Sarg mit der Leiche von Milliardär Friedrich Karl Flick? Noch hat die Polizei keine Hinweise auf die Täter. Eine Lösegeldforderung gibt es bisher nicht.


Wien - Das Mausoleum des 2006 verstorbenen Flicks im österreichischen Velden am Wörthersee sei vermutlich bereits am vergangenen Wochenende geschändet worden, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Mittwoch unter Berufung auf die Polizei. Demnach gab es zunächst keine Hinweise auf das Tatmotiv sowie die Täter.

Ein Zeuge hatte an der schweren Granitplatte auf Flicks Grab Kratzer entdeckt und so die Polizei auf das Verbrechen aufmerksam gemacht, wie APA berichtete. Auch seien zwei Ziffern vom Todesdatum auf dem Grabstein abgerissen worden.

Bei anschließenden Ermittlungen entdeckte die Polizei dann, dass der Sarg Flicks verschwunden war. Die Ermittler gehen laut APA von mehreren Tätern aus, da die Grabplatte mehrere hundert Kilogramm wiegt. Der Sarg des Sohns des Flick-Konzern-Gründers Friedrich Flick sei dann vermutlich mit einem Lastwagen abtransportiert worden.

Immer noch rätselt die Polizei, wieso die Leiche von Friedrich Karl Flick gestohlen wurde. Die Täter haben sich bisher noch nicht gemeldet, eine Geldforderung für die sterblichen Überreste ging noch nicht ein.

Das Landeskriminalamt ermittle in alle Richtungen, da das Tatmotiv völlig unklar sei, sagte ein Polizeisprecher. Auch eine mögliche Erpressung wollten die Ermittler nicht ausschließen. Lösegeldforderungen gebe es bislang jedoch nicht.

Die Sargdiebe haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Klagenfurt der Störung der Totenruhe sowie der schweren Sachbeschädigung schuldig gemacht, wie APA berichtete. Auf Störung der Totenruhe stehen in Österreich bis zu sechs Monate Haft. Je nach Schadenshöhe drohen bei Sachbeschädigung zusätzlich zwei bis fünf Jahre Gefängnis.

Der ehemalige Großindustrielle Flick war im Oktober 2006 in seinem Haus am Wörthersee nach schwerer Krankheit gestorben.

Flick hatte 1985 durch den Verkauf seiner Industriebeteiligungen ein Milliardenvermögen angehäuft. Den Konzern hatte sein Vater aufgebaut. Seine Vermögensverwaltung verlegte Flick in den 90er Jahren aus steuerlichen Gründen von Düsseldorf nach Wien. Der Name Flick steht auch für einen Anfang der 80er Jahre aufgeflogenen Parteispendenskandal. Dabei waren Millionenbeträge aus den Kassen des Unternehmers an CDU, CSU, SPD und FDP geflossen.

Flick hatte zeitlebens Angst vor Entführungen. Seine Kinder wurden von Leibwächtern zur Schule begleitet. Im Dezember 1991 war der Bruder seiner Frau gekidnappt worden. Die Geiselnehmer verlangten rund fünf Millionen Euro Lösegeld. Sie wurden jedoch noch vor der Geldübergabe geschnappt und Entführung unblutig beendet.

ber/bog/AFP/dpa/ap/Reuters



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