Florenz - Zeugen berichteten, der Täter sei am Dienstag gegen 12.30 Uhr mit einem Auto vorgefahren, habe geparkt und bei Betreten der Piazza Dalmazia in Florenz sofort das Feuer auf die ausländischen Straßenhändler eröffnet.
Zwei von ihnen erlagen ihren schweren Verletzungen. Am Nachmittag dann soll ein dritter Afrikaner nahe dem Marktplatz San Lorenzo im Zentrum der Stadt angeschossen und in Bauch und Brust getroffen worden sein. Er wird derzeit im Krankenhaus behandelt, berichtete der TV-Sender Sky News 24.
Der Schütze - Zeugen zufolge ein untersetzter, blonder oder schon ergrauter Mann mittleren Alters - sei dann im Gewirr des Markttreibens geflüchtet, hieß es. Einige Passanten in dem belebten Teil des Zentrums hätten noch versucht, den Mann zu stoppen. Er habe ihnen jedoch mit einer Waffe gedroht, ersten Erkenntnissen zufolge einer .357 Magnum der Firma Smith & Wesson. Laut Polizei flüchtete C. in eine Garage, setzte sich in sein Auto und schoss sich in den Hals.
"Wir nehmen an, dass er Selbstmord beging, als er sah, dass die Polizei eingriff", sagte Staatsanwalt Giuseppe Quattrocchi aus Florenz. Ermittler hatten den Mann zuvor als Teilnehmer mehrerer Demonstrationen rechtsextremer Kräfte identifizieren können.
Zeitungsberichten zufolge handelt es sich bei den Opfern um Einwanderer aus dem Senegal. Die Tageszeitung "Il Fatto Quotidiano" identifiziert den mutmaßlichen Täter als den 50-jährigen Gianluca C., angeblich als militanter Rechtsradikaler der Polizei bekannt.
Wie der Mailänder "Corriere della sera" berichtet, galt der 1961 in dem kleinen Dorf Cireglio in der Provinz Pistoia geborene C. als introvertierter Einzelgänger. Er pflegte eine Leidenschaft für keltische Mythen und die Fantasy-Romane von J. R. Tolkien, schwadronierte im Internet über die "arische Rasse" und soll einen Artikel mit der Überschrift "Dracula, der Krieger Wotans" verfasst haben. In dem Aufsatz "Die Protokolle des Weisen von Alexandrien" soll er der Zeitung zufolge gegen eine jüdische Weltverschwörung gewettert und den Holocaust geleugnet haben.
Die rechtsextreme Gruppe "CasaPound Italia" teilte mit, der Täter sei ein Sympathisant der Vereinigung gewesen, aber kein Aktivist. Er sei in Pistoia einige Male zu Sitzungen gekommen, um sein Buch "Le Chiavi del Chaos" (Die Schlüssel des Chaos) vorzustellen. "Doch wir kannten ihn kaum, er war eine sehr verschlossene Person", erklärte ein Sprecher von "CasaPound Italia" in der nordtoskanischen Stadt.
Nach dem Vorfall versammelten sich in Florenz rund 200 senegalesische Straßenhändler zu einer Demonstration. Unter "Schande"- und "Rassisten"-Rufen stießen sie dabei Mopeds, Abfalleimer und Verkehrsschilder um. Einige sprachen davon, die Opfer seien aus nächster Nähe exekutiert worden.
ala/dpa/AFP
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