Krankenhaus in Florida Vermeintliche Simulantin stirbt nach erzwungener Entlassung

Eine Frau wird in Handschellen aus dem Krankenhaus gebracht, weil man sie für eine Simulantin hält - und stirbt am Tag darauf: Die Angehörigen der Toten haben nun Klage eingereicht.


Eine Frau in Florida ist gestorben, weil ein Krankenhaus sie für eine Betrügerin hielt und der Notaufnahme verwies - das behaupten die Anwälte der Angehörigen. Die 57-Jährige war fünf Tage vor Weihnachten ins Calhoun Liberty Hospital gegangen, weil sie unter Bauchschmerzen litt. Die Untersuchung verlief ergebnislos, das Krankenhaus wollte die Frau entlassen.

Sie weigerte sich jedoch zu gehen. Das Personal verständigte die Polizei, die die Frau in Handschellen abführte. In der Krankenhaus-Auffahrt kollabierte die 57-Jährige; sie wurde erneut behandelt, starb aber am Tag darauf wegen eines Blutgerinnsels in der Lunge.

Die Frau hätte nicht wegen einer schwachen Mutmaßung ihr Leben verlieren dürfen, sagte nun Anwalt Daryl Parks; er vertritt die Familie der Toten, die Klage gegen das Krankenhaus eingereicht hat. Die Angehörigen werfen dem Hospital vor, fahrlässig gehandelt zu haben. Von der Polizei heißt es, man habe die Sache korrekt gehandhabt. Man habe sich auf die Meinung des medizinischen Personals verlassen.

Die Anwälte der Familie spielten auf einer Pressekonferenz allerdings eine Video-Aufnahme vor. "Man hört, wie die Polizisten darauf bestehen, dass sie ins Gefängnis geht. Man hört auch, wie das Krankenhauspersonal wiederholt zu ihr 'Ihnen fehlt nichts' sagt, während sie Schmerzen hat", sagte einer der Rechtsbeistände. Mehrmals sei zu hören, wie die Frau sagt, sie kriege keine Luft.

Es soll auch die Aussage eines Polizisten zu hören sein, der der Frau vorwirft, Atemnot vorzutäuschen. Ein Polizist habe zu seinem Vorgesetzten gesagt, die Frau habe sich einfach widersetzt. Diese Annahme habe die 57-Jährige das Leben gekostet, sagte Parks.

Laut Polizei rief der Polizist nach dem Kollaps der Frau innerhalb einer Minute einen Arzt, eine Krankenschwester und einen Rettungsassistenten herbei.

ulz/Reuters

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